Das Hemd fehlt, aber die Krawatte sitzt

Warten auf Godot

Dick und Doof, Kirk und Spock, Thiel und Boerne - das sind Traumpaare unter Männern. Auch die Schauspieler Samuel Finzi und Wolfram Koch sind so eines, jedenfalls als Wladimir und Estragon in Becketts Stück "Warten auf Godot" bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

RECKLINGHAUSEN

, 06.06.2014, 18:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Traumpaar: Koch (l.) und Finzi.

Ein Traumpaar: Koch (l.) und Finzi.

Samuel Finzi gab zuletzt in der TV-Serie "Flemming" den sanften Frauenversteher. Koch wird der neue hessische Tatort-Kommissar. Aber in der Regie von Ivan Panteleev entpuppen sich die beiden vor allem als Erzkomiker. Diesen Abend, der dem verstorbenen Regisseur Dimiter Gotscheff gewidmet ist, machen sie zu einer Ode an die Freundschaft.Schiefe Ebene auf der Bühne

Für die Kooperation der Ruhrfestspiele mit dem Deutschen Theater Berlin hat Ausstatter Mark Lammert eine schiefe Ebene gebaut und mit einem Krater versehen. Ein einsamer, unsicherer Ort. Dann ist auch noch die Hose von Wladimir zu lang, die von Estragon zu kurz. Dem einen fehlt das Hemd (aber die Krawatte sitzt), beim anderen drücken die Schuhe. Wladimir zeigt Temperament, eine unglaubliche Vielzahl von Gesichtsausdrücken und gestikuliert wie ein Wilder, Estragon lässt die Arme mutlos hängen. Sollen sie sich vielleicht doch aufknüpfen? Ach nein, sie warten ja auf Godot, der in diesem kargen Meisterwerk von 1953 bekanntlich niemals erscheint, jedoch Ähnlichkeiten mit Gott aufweist.Genial gespielt

Einfach genial, wie diese beiden Clowns ihrer trostlosen Situation eine tiefsinnige Heiterkeit, aber auch tolle Gags abgewinnen. Für das Spiel, in dem ein Fingerschnippen den Ball ersetzt, gab´s Szenenapplaus. Den erntete auch Andreas Döhler als Knecht Lucky. Nur schade, dass sein Gebieter Pozzo (Christian Grashof) sehr textunsicher war. Trotzdem: Standing Ovations, donnernder Beifall.

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