Das hilft gegen trockene und rissige Haut im Winter

Hautpflege

Im Winter trocknet die Haut durch den Wechsel aus Kälte und Heizungsluft stark aus - daher braucht sie besondere Pflege. Was gegen trockene Haut, rissige Hände und spröde Lippen hilft.

von Vanessa Casper

, 14.02.2021, 17:00 Uhr / Lesedauer: 6 min
Im Winter ist die Haut besonders strapaziert - Produkte mit Lipiden schützen in der kalten Jahreszeit.

Im Winter ist die Haut besonders strapaziert - Produkte mit Lipiden schützen in der kalten Jahreszeit. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Die Haut ist gerade im Winter extremen Anforderungen ausgesetzt: Trockene Luft drinnen und draußen, starke Temperaturschwankungen, heftiger Wind, eng anliegende Kleidung und ein durch Erkältungen geschwächtes Immunsystem setzen ihr zu. Damit sie ihre Schutzfunktion dennoch gut erfüllen kann, braucht sie Hilfe in Form von besonders intensiver Pflege.

Damit sollte man nicht zu lange warten. Schon im Herbst wird die Haut durch die kalte Luft draußen und trockene Heizungsluft in Innenräumen strapaziert. „Im Januar, Februar, März kommen die Menschen zu uns mit Austrocknungsekzemen“, berichtet Hautarzt Heiko Grimme aus Stuttgart. „Die Vorsorge muss aber schon im Herbst beginnen.“

Hautpflege im Winter: Darauf sollten Sie achten

Egal ob Hände, Lippen oder Gesicht – trockene Haut entsteht dadurch, dass ihr Feuchtigkeit fehlt. Diese gilt es wieder zuzuführen. Tägliches Eincremen mit rückfettenden Cremes sorgt dafür, dass Trockenheit und Ekzeme gar nicht erst entstehen. Und milde Pflegecremes oder Reinigungsmittel sind gerade in kalten Jahreszeiten besser als starke Duschgels oder Seifen: Diese entziehen der Haut zusätzliche Feuchtigkeit.

Doch Vorsicht: Fettende Cremes sind bei Menschen mit chronischen Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Akne kontraproduktiv, wenn Hautpartien akut entzündet sind, warnt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

In Herbst und Winter sollten Sie zu anderen Produkten greifen als im Sommer. In der Regel zwischen Oktober und März – auf jeden Fall aber, wenn die Heizung in der Wohnung oder im Büro läuft – sollten andere Pflegeprodukte im Badezimmer stehen. Geeignet sind fettreiche Cremes auf Wasser-in-Öl-Basis, kosmetische Hautöle oder eine besonders lipidhaltige Creme auf Öl-in-Wasser-Basis, wie das Portal haut.de erklärt.

Produkte mit mehr Fett oder Ölen sind im Handel aber nicht so leicht zu erkennen. Denn die Hersteller verzichten auf Hinweise wie „lipidhaltig“ oder „fettreich“, da die Verbraucher nichts Fettiges wollten. Daher müssen Sie in der Drogerie etwas genauer hinschauen.

Diese Tipps helfen Ihnen bei der Pflege und der Wahl der richtigen Pflegeprodukte.

Pflegende Inhaltsstoffe: Es gibt viele Inhaltsstoffe, die in Herbst und Winter besonders gut für die Haut sind und sie geschmeidig machen. Dazu gehören Glycerin, Harnstoff, Sheabutter, Macadamianussöl und auch Extrakte der Chicoreewurzel. Letztere haben eine Vitamin D-ähnliche Wirkung und stärkt damit die Barrierefunktion der Haut.

Im Bezeichnungsdschungel: Gerade auf Pflegeprodukten werben Hersteller mit allerhand tollen Begriffen. Für Herbst und Winter können Sie im Zweifelsfall auf Produkte zurückgreifen, die für trockene oder sehr trockene Haut geeignet sind, als „Cold Cream“ beworben werden – diese Cremes sind sehr reichhaltig – oder Öle enthalten. Feuchtigkeitscremes sind hingegen mit Vorsicht zu genießen. Wenn Produkte viel Feuchtigkeit enthalten, verstärkt das die Verdunstung auf der Haut, was sogar kontraproduktiv ist.

Es ist Ihre Haut: Nutzen Sie auf Ihren Hauttyp abgestimmte Pflegeprodukte.

Mehr cremen oder mehr Pflege: Um das Austrocknen der Haut zu verhindern, kann man entweder häufiger cremen oder eine reichhaltigere Creme wählen.

Ausreichend cremen: Gesicht und Körper sollten am besten ein- bis zweimal täglich eingecremt werden.

Unter Kleidung oder Handschuhen fühlt sich eine reichhaltige Cremeschicht allerdings eher unangenehm an. „Eine Möglichkeit ist hier, auf ein Pflegeprodukt mit Harnstoff zu setzen“, sagt Dirk Meyer-Rogge vom Berufsverband Deutscher Dermatologen. Harnstoff verstärke den pflegenden Effekt eines Produktes, indem er dafür sorge, dass die Haut quillt und sich dadurch ihr Wasserverlust verringert. Eine ähnliche Wirkung habe Hyaluronserum. Dann dürfe der Fettanteil entsprechend geringer sein, so zieht das Produkt leichter ein.

Trockene und rissige Hände – was tun?

Trocken und hart fühlt sich die Haut an, sie wird rau und manchmal bilden sich an den Handknöcheln Risse. Der Winter ist eine schwierige Zeit für Finger und Hände.

Auch die Corona-Pandemie wirkt sich merklich auf unsere Haut aus. Beim häufigen Händewaschen verliert die Haut an Feuchtigkeit. Daher sollte man Handcreme gut einmassieren. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) rät, einen etwa haselnussgroßen Klecks Creme auf den Handrücken zu geben.

Dann reibt man Handrücken an Handrücken und verteilt so die Creme über die gesamte Fläche. Danach werden die Zwischenräume der Finger und deren Seitenkanten bedacht sowie die Innenfläche der Hand eingecremt. Nicht vergessen dürfe man den Daumen. Cremereste sollten an den Handgelenken einmassiert werden. Ein intensives Pflegeergebnis kann mit Baumwollhandschuhen erzielt werden, die in der Nacht über einer Cremeschicht getragen werden. Bleiben die Hände trotz aller Bemühungen rau, hilft ein Handpeeling dabei, abgestorbene Hautzellen zu entfernen.

Auch Fingernägel und Nagelhaut zu pflegen ist nicht nur aus kosmetischer Sicht sinnvoll: Denn sind die Nägel brüchig oder splittern, kann es zu schmerzhaften Einrissen und Entzündungen kommen. Daher beim Eincremen der Hände bis zu den Fingerspitzen cremen – das wird häufig vergessen.

Zusätzlich können Öle, etwa ein Mandelöl, die Nägel pflegen. Monika Ferdinand vom Bundesverband Deutscher Kosmetiker und Kosmetikerinnen im saarländischen Bexbach rät, regelmäßig Nagelöl zu verwenden. Alternativ könne man auch den fettigen Film auf den Händen nach dem Eincremen des Gesichts nutzen und über Nagel und Nagelhaut verreiben. Zieht das sehr schnell ein, müsse nach zwei bis drei Minuten mit einer Handcreme nachgecremt werden.

Effektiv ist es, das Öl abends aufzutragen und über Nacht einwirken zu lassen. Die Hände kommen dann am besten in Baumwollhandschuhe. Zusätzlich kann es gut sein, Biotin einzunehmen, um die Nägel zu kräftigen, so der Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Das müsse aber über mehrere Monate geschehen.

Das hilft gegen trockene und spröde Lippen

„Ihr Eigenschutz ist von Natur aus recht eingeschränkt, da sie sich nicht selbst mit Feuchtigkeit und Fett versorgen können“, erklärt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW). Lippen verfügen weder über Talg- noch Schweißdrüsen. „Gerade in den Wintermonaten ist eine regelmäßige Pflege daher besonders wichtig.“

„Ein Lippenbalsam beruhigt und pflegt trockene, rissige Stellen“, erläutert Huber. Eine Lip-Butter beispielsweise aus Sheabutter biete eine intensive Versorgung mit wertvollen Inhaltsstoffen und spende ausreichend Feuchtigkeit.

„Schutz bieten auch Lippenpflegestifte mit Ölen, wie zum Beispiel Jojobaöl und Wachsen, die sich wie ein Film auf die empfindliche Haut legen“, ergänzt die Kosmetikexpertin. „Einige Pflegeprodukte enthalten auch Vitamine oder Wirkstoffe wie Panthenol oder Ringelblumenextrakte, die der rauen Haut dabei helfen, sich zu erholen.“

Trocknen Lippenpflegestifte die Lippen aus? Grundsätzlich nein, aber es ist möglich. Bei der Wahl des Lippenpflegestiftes sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, dass er nicht parfümiert ist und keine Mineralöle und Farbstoffe enthält. Paraffin zum Beispiel trocknet die Lippen zusätzlich aus, daher sollte man nicht zu Produkten mit Inhaltsstoffe wie Paraffin, Mineral Oil, Paraffinum Liquidum, Petrolatum und Cera Microcristallina greifen. Diese sind oft auch bei namhaften Herstellern enthalten. Besser pflegt Lippenbalsam mit natürlichen Fetten aus Kakaobutter, Sheabutter, Kokosöl oder Jojobaöl.

In jedem Fall vermeiden sollten Sie das Lippenlecken. Wenn der Speichel verdunstet, verlieren die Lippen zusätzlich Feuchtigkeit und die Trockenheit verschlimmert sich.

Hilfe bei trockener Haut im Gesicht

„So angenehm eine warme Wohnung auch für uns ist, für die Haut bedeutet sie Stress pur durch den ständigen Wechsel zwischen kalter Außentemperatur und warmem Wohnraum“, erklärt Nathalie Fischer für den VKE-Kosmetikverband.

Hier sollte man also auf fettreiche Cremes, kosmetische Hautöle oder eine besonders lipidhaltige Creme setzen. „Ab und zu eine reichhaltige Pflegemaske tut der Haut zusätzlich gut“, so die Kosmetikexpertin.

Dabei spielt auch der Aufentaltsort eine Rolle: Wer sich draußen aufhält, sollte zu Pflegeprodukten auf wasserfreier oder wasserarmer Grundlage wie Lipogele, Fettpasten oder Wasser-in-Öl-Cremes greifen. Wer sich länger in beheizten Räumen aufhält, sollte nicht zu fettreiche Pflegeprodukte nutzen. Sonst riskiere man, dass sich die Haut überwärmt, warnt Apotheker Thomas Benkert.

In beheizten Räumen kann die Luftfeuchtigkeit mitunter sehr niedrig sein. Daher können auch Zimmerbrunnen oder Luftbefeuchter ihren Teil zu gesunder Haut beitragen.

Verwöhnende Gesichtsbehandlung für trockene Haut

Wer sich und seiner Haut etwas Gutes tun möchte, kann sich zu Hause etwas Wellness gönnen. Im Gesicht beginnt das mit einem Dampfbad. „Dazu gibt man einfach ein paar Tropfen Lavendelöl in eine Schüssel mit heißem Wasser und bedampft das Gesicht“, sagt Anita Bechloch, Autorin von „The Glow – Naturkosmetik selber machen“. Nach der Reinigung empfiehlt die Expertin eine selbst gemachte Maske. „Am liebsten mag ich eine ganz einfache Mischung aus einem Esslöffel gutem Bionaturjoghurt, einem Teelöffel Honig und einem Spritzer Zitrone“, sagt sie. Diese Kombination versorge vor allem trockene Haut mit Feuchtigkeit, sie lasse den Teint strahlen und kläre das Hautbild.

Auch eine Kur mit Ampullen versorgt die Haut mit Nährstoffen. In den kleinen Glasbehältern befinden sich jeweils eine Menge Pflegestoff für eine Anwendung. Diese versorgen die Gesichtshaut mit hochkonzentrierten Wirkstoffkombinationen, die aufgrund ihrer Textur in tiefere Hautschichten eindringen können.

Richtig baden und duschen pflegt die Haut

Ein heißes Bad tut an kalten Tagen Körper und Seele gut. Der Haut hingegen nur bedingt. Idealerweise sollte die Temperatur nur 36 bis 38 Grad betragen. Ist das Wasser wärmer, trocknet die Haut schneller aus. Denn die Wärme signalisiert der Haut, es ist warm – und sie gibt Feuchtigkeit ab. Darüber hinaus raten Experten, höchstens zweimal pro Woche zu baden und jeweils nur für maximal zehn bis 15 Minuten. Sonst entzieht das Wasser der Haut zu viel Fett.

Wer auf ein paar kleine Dinge achtet, tut seiner Haut in der kalten Jahreszeit einen Gefallen.

  • Statt eines Schaumbads rückfettende Badezusätze wie Mandelöl, Arganöl oder Jojobaöl nutzen – das hilft, die Feuchtigkeit der Haut zu erhalten. Auch beim Duschen kann ein Duschöl verwendet werden. Verzichten sollte man auf normale Seife und auf alle nicht schonenden, waschaktiven Substanzen, sagt Dermatologe Heiko Grimme. Sie trocknen die Haut noch stärker aus – und dann juckt und schuppt sie.
  • Nach Bad und Dusche die Haut nur sanft abgetrocknet werden. Wer rubbelt, entfernt die gerade angewendeten pflegenden Substanzen direkt wieder von der Hautoberfläche und zudem den hauteigenen Schutzfilm.
  • Sich nach dem Baden oder Duschen mit einer feuchtigkeitsspendenden Emulsion eincremen. Auch bei ihnen ist gut, wenn sie Öle enthalten oder Inhaltsstoffe wie Sheabutter, Bisabolol und Panthenol.
  • Auf normale Peelings verzichtet man in der kalten Jahreszeit besser, da im Winter die Schutzschicht der Haut dünner ist. Speziell pflegende Peelings können bei besonders rauer Haut angewendet werden.

Auch Ernährung wirkt sich auf trockene Haut aus

Nicht nur von außen kann man die Haut pflegen, auch von innen. „Traditionell essen wir im Winter etwas schwerer. Das tut der Haut nicht unbedingt gut“, sagt Angela Clausen, Ökotrophologin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Stattdessen werden Körper und Haut besser mit abwechslungsreicher Kost versorgt. Vollkorn- und Milchprodukte, Gemüse und Obst sollten die Hauptrollen übernehmen. Ihre Vitalstoffe bringen zusätzlich das Immunsystem in Schwung und stärken damit auch die Haut. „Zur Erhaltung der Hautfunktion brauchen wir vor allem Biotin, Zink, Jod, Niacin, Riboflavin und Vitamin A – und zwar nicht in Form von Pillen und Pulvern, sondern immer im Zusammenspiel miteinander.“

Omega-3-Fettsäure-haltige Lebensmittel sorgen ebenfalls für eine bessere Feuchtigkeitsversorgung der Haut. Sie sind unter anderem enthalten in Lachs, Forelle, Thunfisch, Rapsöl, Leinöl, Walnussöl, Rosenkohl, Spinat, Bohnen, Chiasamen, Leinsamen und Walnüssen.

Zwar hat man bei Hitze meist mehr Durst als bei Kälte, doch im Winter braucht der Körper genauso viel Flüssigkeit wie im Sommer. Die Ökotrophologin empfiehlt, gleichmäßig über den Tag verteilt zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Davon sollten 1,5 Liter Wasser aus der Leitung oder Mineralwasser sein. Auf diese Weise bekommt die Haut ausreichend Feuchtigkeitsnachschub von innen.

mit dpa

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