Das Hohe Haus

Roger Willemsen

Wer schon einmal in Berlin war, wird vielleicht den Reichstag besucht und auch eine Debatte des Bundestages verfolgt haben, verweilte dort die für normale Besucher erlaubte eine Stunde. Publizist Roger Willemsen blieb ein ganzes Jahr.

24.08.2014, 11:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Sitzungswoche für Sitzungswoche saß er 2013 auf der Besuchertribüne und beobachtete das Verhalten der Parlamentarier im Plenarsaal unter ihm. Seine Erfahrungen hat er im Buch "Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament" zusammengefasst.Verhalten der Politiker

Das Buch erklärt Details des Hauses, seines Aufbaus und seiner Entstehung. Vielmehr aber offenbart es das Verhalten der Politiker in ihren Reden, vor allem bei ihren Zwischenrufen. Sie beschimpfen sich, beschreibt Willemsen, als "primitiver Kerl", werfen sich gegenseitig den Mangel an Niveau vor - und sinken dabei selbst auf Kindergarten-Niveau ab.

Viel zu oft hören sich die Politiker gegenseitig nicht zu, spielen mit ihren Handys, vertiefen sich ins Aktenstudium. "Der Besucher darf kein Kaugummi im Mund haben, aber Desinteresse demonstrieren, allen gegenüber, ist für Parlamentarier nicht ungeschicklich", stellt der Publizist überrascht fest.

Woher dieses Verhalten der Politiker rührt, analysiert der Autor klug. Er echauffiert sich, für den Leser meist nachvollziehbar, und geht mit den Volksvertretern vor allem dann hart ins Gericht, wenn sie vergessen, den Bürger zu repräsentieren. Ihm entgehen aber auch nicht die leisen Zwischentöne im Parlament, die rührenden, menschlichen Momente.

Das Buch lässt die Leser den Politikbetrieb besser verstehen, und ist deswegen - trotz einiger Längen - unbedingt lesenswert.

Roger Willemsen: Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament, 4oo S., Fischer, 19,99 Euro, ISBN 978-3-1 00 92-109-3.

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