Das legendäre Musical „Black Rider“ als anarchischer Anti-Freischütz

Musiktheater im Revier

Im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen feierte das Burroughs/Waits-Musical „The Black Rider“ runden Geburtstag. Auch Robert Wilsons Regie-Konzept und Stage-Design wurde berücksichtigt.

20.09.2020, 14:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Annika Firley als als Käthchen und Sebastian Schiller als Wilhelm.

Annika Firley als als Käthchen und Sebastian Schiller als Wilhelm. © Björn Hickmann/ stage picture

Er war für die Theatermacher das denkbar größte Geschütz, das sie auffahren konnten gegen die ihnen so verhasste Kitschkultur der Lloyd-Webber-Musicals, die mit „Cats“ und dem „Phantom der Oper“ vor 30 Jahren über Hamburg hereinbrach: William S. Burroughs, versoffener Beatnik und Ex-Junkie, der mit seinen wirren Texten plötzlich zur Ikone der Popkultur aufgestiegen war, schrieb ein anarchisches Anti-Musical für das Thalia-Theater: „The Black Rider“.

Die Musik steuerte kein Geringerer als Tom Waits bei. Zum runden Geburtstag der Uraufführung bringt nun das Gelsenkirchener Musiktheater das schrille Stück wieder auf die Bühne. Am Samstag war die Premiere.

Parodie auf Carl Maria von Weberns Oper

Dass „The Black Rider“ eine Parodie auf Carl Maria von Weberns Oper „Der Freischütz“ ist, war sicher auch kein Zufall. Die Geschichte um die Hinterwäldler, die erst schießen lernen müssen, um heiraten zu dürfen, galt als Inbegriff der Spießigkeit.

Der nach Europa übergesiedelte US-Avantgarde-Regisseur Robert Wilson brachte das Musical auf die Thalia-Bühne. Nach seinem Regie-Konzept und „Stage Design“ richtet sich auch die Gelsenkirchener Produktion, allerdings ist es Regisseurin Astrid Griesbach und Ausstatterin Lisette Schürer auch vergönnt, eigene Akzente zu setzen.

Zirkusmilieu

Sie versetzen die waidmännische Handlung ins Kirmes- und Zirkusmilieu – was ihnen erlaubt, das Puppentheater plausibel einzubauen. So ist der Teufel eine Puppe und sämtliche Nebenfiguren treten mit eigenem Gesicht und übergestülptem Puppenkörper auf. Die offen agierenden Puppenspieler werden als Hommage an die Commedia dell’arte zu „Buffoni“, bösartige Narren.

Das alles ist vor allem grell und grotesk. Leider auch ziemlich zeitgeistig, was am Humor sehr deutlich wird. Manch absurder Gag, der 1990 sicher noch für Lacher gesorgt hat, zündet heute nicht mehr. Dennoch ist das Stück wenngleich doch recht speziell auch sehr sehenswert. Die Band unter Leitung von Heribert Feckler erweckt die starke Musik von Tom Waits zu prallem Leben.

Termine: 24., 27. 9, 10. / 11. / 18. 10., 8. / 14. 11.; Karten: Tel. (0209) 409 72 00. www.musiktheater-im-revier.de
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