Dealer fast verblutet: Teenager-Duo verurteilt

Landgericht

Im Februar wurde ein mutmaßlicher Drogendealer in Recklinghausen beinahe getötet. Eine Schnittwunde reichte bis auf den Schädelknochen. Jetzt wurden die Täter verurteilt.

Bochum

, 09.11.2020, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach einer Rangelei um angeblich fehlende fünf Euro soll es zu der gefährlichen Schnittverletzung gekommen sein. Ohne Behandlung wäre das Opfer innerhalb von 20 Minuten verblutet.

Nach einer Rangelei um angeblich fehlende fünf Euro ist es zu der gefährlichen Schnittverletzung gekommen. Ohne Behandlung wäre das Opfer innerhalb von 20 Minuten verblutet. © Werner von Braunschweig

Nach einer lebensbedrohlichen Bluttat am Bahnhofsvorplatz in Recklinghausen ist ein vermeintlich 18 und 19 Jahre altes Teenager-Duo aus Recklinghausen am Bochumer Landgericht zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Gegen den jüngeren Angeklagten wurden vier Jahre Haft verhängt, gegen den Mittäter 15 Monate Haft ohne Bewährung. Um das wahre Alter der beiden aus Nordafrika stammenden Männer herauszufinden, hatte sich der Prozess länger als geplant hingezogen.

Fünf Euro lösen die Messerstecherei aus

Laut Urteil passierte die Bluttat am 21. Februar gegen 21.15 Uhr. Bei dem Opfer (18) soll es sich um einen Kleindealer gehandelt haben. Im Verlaufe eines Drogengeschäfts war damals eine handfeste Rangelei um angeblich fehlende fünf Euro entfacht.

Dabei soll der jüngere Angeklagte zunächst von hinten auf den nach einem Faustschlag seines Freundes am Boden liegenden Dealer eingetreten und dann schließlich mit einem dem Klappmesser (Klingenlänge 6,5 Zentimeter) in Richtung des Kopfes gestochen haben.

Dealer ist fast verblutet

Bei dem Opfer war später im Krankenhaus eine zehn Zentimeter lange, bis auf den Schädelknochen reichende Schnittverletzung diagnostiziert worden. Dass der junge Mann überlebt hat, verdankt er laut Urteil den schnell eingeleiteten Rettungsmaßnahmen. Ohne Behandlung, so hieß es, wäre der Kleindealer wegen der klaffenden Wunde innerhalb von wenigstens 20 Minuten wohl sicher verblutet.

Nachdem schon bei der Deutschland-Einreise der beiden Angeklagten zu Jahresbeginn bei den Behörden Zweifel an deren Altersangaben aufgekommen waren, hatten die Bochumer Richter während des laufenden Prozesses rechtsmedizinische Nachuntersuchungen (unter anderem durch Vermessen von Handknochen und Schlüsselbein) durchführen lassen.

Tätern droht jetzt die Abschiebung

Diese ergaben, dass beide Angeklagte jedenfalls einige Jahre älter als 18 und 19 sind. Ein exaktes Alter ließ nicht bestimmen. Im äußersten Fall könnte das Duo laut Gutachten sogar jeweils bereits älter als 30 Jahre alt sein.

Der Hauptangeklagte hatte beteuert, zwar ein Messer dabeigehabt, dieses aber nicht eingesetzt zu haben. Das nahmen ihm die Richter aber nicht ab. Der Hauptangeklagte soll einen Teil der Haftstrafe in einer Entziehungsanstalt absitzen können. Beiden Männern droht nun früher oder später auch die Abschiebung in ihre Heimat. Die Urteile lauten auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

wvb

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