"Delhi, ein Tanz" bietet sieben Mini-Stücke

Düsseldorfer Schauspielhaus

Mit der Laubkrone nach unten hängt eine Baum-Attrappe über der Szene im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Unter diesem entwurzelten Baum hat Felix Rothenhäusler die deutschprachige Erstaufführung von "Delhi, ein Tanz" des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew inszeniert. Es geht um den Tod, die Abgründe zwischen Sterbenden und Lebenden.

DÜSSELDORF

von Von Britta Helmbold

, 20.03.2012, 12:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein entwurzelter Baum dominiert die Szene, am Rand Ekaterina (Stefanie Reinsperger).

Ein entwurzelter Baum dominiert die Szene, am Rand Ekaterina (Stefanie Reinsperger).

In sieben Mini-Stücken trifft die gleiche Gruppe von sechs Menschen aufeinander - jedes Mal in einem Besucherraum eines Krankenhauses, jedes Mal ist einer von ihnen gestorben und jedes Mal wird über den Tanz namens "Dehli" gesprochen. Und nach jedem Mini-Drama verbeugen sich alle sechs Schauspieler zu eingespieltem Applaus.Statisch angelegt hat die Regie diesen Totentanz, der sich um Liebe und Lüge, Schmerz und Mitleiden dreht. Die Figuren sind weniger Charaktere als vielmehr Textträger.  Denn die Sprache ist nicht auf die jeweilige Rolle zugeschnitten, sondern ganze Dialogpassagen werden von unterschiedlichen Spielern wiederholt - und überwiegend mit Blick ins Publikum gesprochen.Gefühlsausbrüche befremden Meist stehen sie für ein Gespräch viel zu weit voneinander entfernt, bewegen sich wie in einer Choreografie auf einem imaginären Quadrat um den mächtigen Baum herum. Die Inszenierung hat etwas von einer Versuchsanordnung, in der plötzliche Gefühlsausbrüche befremden. So bekommt Stefanie Reinsperger als Ekaterina mehrere hysterische Anfälle, zu denen sie wild mit den Armen fuchtelt, Bettina Kerls Kritikerin braucht ebenfalls viel Arm-Gestik, um den Tanz mit Leidenschaft zu beschreiben, und am Ende erleidet Annika Olbrichs Olga einen schrecklichen Weinkrampf.Langatmig Doch das abgezirkelte Bewegungskonzept lässt keine Empathie aufkommen und die zweieinhalb Stunden recht langatmig geraten.

Termine: 23./25.3.; Karten: Tel. (0211) 36 99 11.

 

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