Dennis Werner: "Sand"

Buchtipp der Redaktion

Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Redakeur Dennis Werner empfiehlt "Sand" von Wolfgang Herrndorf.

DORTMUND

, 21.10.2016, 14:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

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Es ist sein Roman Tschik, der im Kanon der neuen deutschen Literatur angekommen ist. Gern verstanden als Jugendbuch, aktuell verfilmt und zu Recht nicht bloß von jungen Menschen ein  oft gelesener Roman. Doch empfehlen möchte ich Wolfgang Herrndorfs Roman Sand. Ähnlich wie Tschik ein Bildungsroman, in dem Herrndorf frisch in gewandter wie imposanter  Sprache die Entwicklung eines Menschen beschreibt - buchstäblich von seinem Nullpunkt (der Protagonist Carl hat sein Gedächtnis verloren) zu sich selbst. Mit einer für Carl und den Leser überraschenden Wendung.

Bemerkenswert ist die Präzision, mit der Herrndorf Figuren und Landschaft beschriebt (der Roman beginnt im Norden Afrikas in einer ehemaligen französischen Kolonie). Es ist eine Lust, die besondere, zeitlose Sprache des 2011 erschienenen letzten Roman Herrndorfs  in sich aufzusaugen. Beschreibungen wie: „Kein Wind wehte, keine Welle ging. Wie eine Panzerplatte dehnte sich das Meer bis zum Horizont.“ Oder: „Unbeeindruckt hob sich die Sonne über den Horizont und schien über Lebende und Tote, Gläubige und Ungläubige, Elende und Reiche.“ Herrndorf zeigt Abgründe und hohe Gipfel der menschlichen Existenz. Das könnte bleiern und deprimierend sein. Herrndorf entschied sich aber für Heiterkeit.

Herrndorf starb durch eigene Hand. Er litt unheilbar an einem Hirntumor. Sein Vermächtnis sind Texte wie Tschik und Sand. Es ist 2015 als kommentierte Gesamtausgabe bei Rowohlt in Berlin erschienen.

Informationen zum Buch
Wolfgang Herrndorf, Sand, in der Gesamtausgabe, 506 Seiten, Rowohlt Berlin Verlag, 49,49 Euro, ISBN 9783871348099.