Der Gott des Gemetzels kommt auf die Leinwand

Filmkritik "Hardcore"

Sie stehen auf Action, rasant und gnadenlos brutal? Vergessen Sie Tarantino, John Woo und die "Crank"-Streifen: Mit "Hardcore" legt der russische Regisseur und Rock’n’Roller Ilya Naishuller einen Debütfilm vor, der Tempo, Exzess und Coolness neu definiert im Actionfach.

15.04.2016, 16:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Hardcore“ ist aus ungewöhnlicher Perspektive gedreht.

„Hardcore“ ist aus ungewöhnlicher Perspektive gedreht.

Spiel mir das Lied vom Tod: Eine rauschhafte Revue, ein Parcours der Gewalt, unterlegt mit einem exquisiten Soundtrack und einem Score schwitziger Elektro-Musik. Wer das Video zu "Smack My Bitch Up" von The Prodigy kennt, ahnt, woher Naishuller die Grundidee hat: "Hardcore" ist komplett aus der Ich-Perspektive gedreht, mit Kameras, wie sie Extremsportler tragen, die ihre Husarenstücke filmen.

Egoshooter-Perspektive

Es ist der Blickwinkel von Egoshooter-Spielen, wo man die Welt über den Lauf einer Waffe sieht. Naishullers Held heißt Henry, er bleibt gesichtslos, bis er in einen Spiegel guckt - wie bei The Prodigy. Henry, Gott des Gemetzels: Bei 80 Toten stellt man den "Body Count" ein, vermutlich bringt der Berserker 150 Leute um.

Hauen, Stechen, Schießen, Sprinten. Inszeniert mit einem Vorwärtsdrall, der kein Verschnaufen kennt. Wenn Henry Schläge kassiert, dann bebt die Leinwand, als würde der Betrachter selbst malträtiert - fast schon Fühl-Kino. Der Kerl ist "unkaputtbar", weil er halb Maschine ist. Henry erwacht in einem Labor, wo ihm eine Frau einen künstlichen Arm und ein mechanisches Bein anschraubt. Auftritt seines Erzfeindes (Danila Kozlovsky), der wie eine Kreuzung aus Julian Assange und Kurt Cobain aussieht. Der Blonde will Henry ans Leder. Der flüchtet und stürzt aus wolkiger Höhe auf die Straßen von Moskau.

Kino-Sensation

Alle jagen ihn. Polizisten und maskierte Schergen treten rudelweise an, um eliminiert zu werden. Henry findet einen Helfer (Sharlto Copley aus "District 9"), der dutzendfach geklont an seiner Seite kämpft. Ein Dr. Frankenstein, der eine Armee von Cyborgs erschaffen hat. Eingebettet in dieses SciFi-Szenario, abgeschmeckt mit fröhlichen Sarkasmen nimmt das große Meucheln seinen Lauf. Eine mittlere Kino-Sensation.

 

 

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