"Der Name der Rose" - ein bilderstarker Krimi

Westfälisches Landestheater

Bilderstark inszeniert das Westfälische Landestheater Umberto Ecos"Der Name der Rose". Und tritt so in Konkurrenz zum gleichnamigen Film von 1986. Nicht selten scheitert Theater, wenn es mit dem Kino konkurriert. Dieses Theater jedoch nicht!

CASTROP-RAUXEL

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 10.10.2011, 17:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
William (Burghard Braun) nimmt verbotene Bücher unter die Lupe.

William (Burghard Braun) nimmt verbotene Bücher unter die Lupe.

Die Nebelmaschine im Dauerbetrieb. Schwer wallen ihre Schwaden über die Bühne, wo düster die Mauern der Abtei stehen. Eine einsame Kerze erhellt die labyrinthische Bibliothek, wo es spukig rumort und grottenfeucht glitscht.

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Der Name der Rose

"Es wird echt gespenstisch", hat WLT-Gastregisseur Reinhardt Friese vor der Premiere versprochen. Und Wort gehalten. Am Sonntag brachte das WLT Umberto Ecos Erstlingswerk "Im Name der Rose" in der ausverkauften Stadthalle zur Aufführung. Ausgangspunkt der Geschichte sind mehrere mysteriöse Todesfälle in einem italienischen Benediktinerkloster im 14. Jahrhundert.
10.10.2011
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Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
Impressionen von der Premiere am Sonntag.© Foto: Volker Beushausen
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Ganz, ganz bilderstark, prall atmosphärisch steht das Bühnenbild im Range eines Hauptdarstellers bei der Castroper Inszenierung von Umberto Ecos "Der Name der Rose". Meistens scheitert Theater, wenn es mit der Bilderwelt eines Films konkurriert.Abtei ist so fröstelkalt und wintergrau wie im Film Ausstatterin Annette Mahlendorf, Licht-, Bühnen- und Tontechniker des WLT Castrop-Rauxel zaubern ein Bravourstück, das es mit den Vorgaben der Verfilmung aufnehmen kann. Genau so fröstelkalt und wintergrau hat man die Abtei in Erinnerung, so die Mönche mit Tonsur und Kutte, seit sich die Kinobilder im kollektiven Gedächtnis vor den Roman geschoben haben. Klasse!

Wohl geplant und clever ist das szenisch-strukturelle Konzept von Regisseur Reinhardt Friese. "Schwarzblenden" mit winzigen Umbaupausen zu ahnungsvoll dramatischer Musik. Mit Sakral-Chören, die Tankred Schleinschock einstudierte. Klanglich im Geist der Vorlage: Thriller, Kloster, Mittelalter, dunkles Raunen - alles drin.

In diesem perfekten Rahmen nimmt das Mönchs-Sterben seinen Lauf. Burghard Braun spielt William von Baskerville, den Logiker und Franziskaner-Sherlock, in dem Umberto Eco die Ratio der Aufklärung versteckt hat. Ein Freigeist und Humanist, der den jungen Adson (Björn Klein) unter seine Fittiche nimmt. Vesna Buljevic, als Klosterälteste(r) Jorge, orakelt von der Ankunft des Antichrist, Verderben und Verdammnis auf den Lippen.

Andreas Wobigs Abt hat Würde und Autorität. Roni Merza lässt den Remigius unter Folterangst zu irrlichterndem Feuer auflaufen. Guido Thurk mimt das verkrüppelte Faktotum Salvatore, Igor Schwabs Inquisitor bemäntelt Grausamkeit mit Säuselei. Ein gutes, stimmig besetztes Ensemble.- Spannend und unterhaltsam.Termine: Heute Meitner-Gymnasium Geldern, 21.10. Kurhaus Hamm, 28.10. Theater Hagen.

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