Der neue Münchner Chef im Sog der Romantik

Valery Gergiev in Essen

Valery Gergiev, der Vielbeschäftigte: Vor gut zwei Wochen in der bayrischen Hauptstadt als neuer Chef der Münchner Philharmoniker angetreten, präsentierte der 62-jährige russische Stardirigent sein neues Orchester am Montagabend auch in der Philharmonie Essen.

ESSEN

, 06.10.2015, 16:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Valery Gergiev präsentierte die Münchner Philharmoniker am Montagabend auch in der Philharmonie Essen.

Valery Gergiev präsentierte die Münchner Philharmoniker am Montagabend auch in der Philharmonie Essen.

Auf dem Programm: das Violinkonzert von Brahms mit der fabelhaften Janine Jansen und Bruckners vierte Sinfonie, die „Romantische“, die er nur drei Tage zuvor auch mit seinem Mariinsky Orchester aus St. Petersburg beim Brucknerfest in Linz gespielt hatte. Überraschenderweise dirigierte Gergiev keines der beiden Standardwerke auswendig.

Janine Jansen gab eine Amazone in schwarz und stieg entsprechend leidenschaftlich-wild ins Brahms-Konzert ein. Ihren intensiv-klangvollen Ton lenkte die 37-jährige Niederländerin jedoch bald in schwärmerische Bahnen, wobei sie den Eindruck erweckte, als hätten die betörenden Melodien, die sie ihrer Stradivari entlockte, auf einem einzigen Bogenstrich Platz.

Zart und fein

Und immer wieder brach die konzentriert-souveräne „Kämpferin“, von den einfühlsam reagierenden Münchner Philharmonikern unterstützt, gar eine Lanze fürs ganz Zarte und Feine. Da jagte nicht nur der langsame zweite Satz wohlige Schauer über den Rücken. Rhythmisch flexibles Zusammenspiel von Solistin und Orchester rundete das Konzert mitreißend ab.

Auch in der vierten Sinfonie von Bruckner war danach alles im Fluss, wobei Gergiev hier allerdings insgesamt dicker auftrug. Da stimmte er nach der Brahmsschen „Wohlfühl-Romantik“ gleichsam eine Schauerromantik an, in der das Gespenstisch-Unheimliche ebenso seinen Platz hatte wie das Rauschhaft-Lärmende. Und manchmal schien auch Gustav Mahler schon um die Ecke zu schauen.