Der neue Zauber der Museen

HERNE Wenn Ihnen ein Museum wirklich gut gefällt, könnte es am Szenografen liegen. Immer mehr Ausstellungshäuser werfen langweilige Vitrinen heraus und lassen lieber spektakuläre Raumbilder entwickeln - durch Fachleute wie Charlotte Tamschick.

von Von Bettina Jäger

, 28.01.2008, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

                                                    Die 39-Jährige leitet das Berliner Büro des Stuttgarter Ateliers Brückner, eines von fünf führenden szenografischen Büros der Republik. 50 Fachleute wuchten dort unter Leitung von Uwe R. Brückner, seiner Frau Shirin Frangoul-Brück und Eberhard Schlag die großen Museumsprojekte der Republik - das BMW-Museum in München zum Beispiel oder das Regionalmuseum in Xanten, die beide in diesem Jahr eröffnen. Das Sportmuseum in Köln hat das Atelier neu gestaltet, und auch das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum (Eröffnung des Neubaus 2009) liegt in ihren Händen.

Dramaturgie wie im Film

"Der Szenograf ist ein Regisseur, der den Besucher durch den Raum choreographiert", erklärt Charlotte Tamschick. Ob der Besucher in die Knie geht, um in eine Schatzkiste zu schauen, oder sich in eine Hör-Nische setzt, um den Klängen der Südsee zu lauschen: Das Erleben folgt einem ausgeklügelten Konzept, einer Dramaturgie wie im Film.

Ein Beispiel: Beim Archäologischen Museum Herne sah sich das Team anfangs einer riesigen leeren Halle gegenüber. "Wir versuchen Inhalte in Raumbilder zu übersetzen", erklärt Tamschick. "Die Idee war, die Dauerausstellung als Grabungsfeld zu gestalten." Eine Recherche schloss sich an. Wie sieht eine Ausgrabung aus? Wo stehen Zelte? Wie markiert ein Archäologe die Fundorte? In enger Zusammenarbeit mit den Museumsfachleuten entstanden Grundriss und Rundgang. Die architektonische Ausstattung, moderne Medien und das Licht kamen hinzu. So fühlen heute in Herne Kinder und Erwachsene den Zauber des Entdeckens, dürfen sich selbst ein bisschen wie Indiana Jones fühlen, ohne dass die Information über die Funde zu kurz kommt. Das wichtigste Credo sei, so Tamschick: Die Form folgt dem Inhalt, nicht etwa umgekehrt.

Den Erfindungen der Szenografen wird niemand widerstehen können. Für eine Ozeanien-Schau in Bremen erschufen sie eine Insel-Welt, für eine Titanic-Ausstellung in Hamburg erdachten sie einen Gang mit Metronomen, die in Richtung Untergang immer schneller tickten.

Unvergesslich auch der "Cycle-Bowl", gebaut für die Expo 2000 in Hannover. In dem Pavillon des Dualen Systems brach regelmäßig ein künstlicher Tornado los. Bis zu eineinhalb Stunden standen die Menschen schlange, um das zu erleben. "Man kann aus jedem Thema etwas Spannendes machen", sagt Tamschick.

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