"Der verlorene Drache" ist Reflektion über Zeit

Schauspielhaus Bochum

Sieben Tänzer, sieben Türen. Sieben Möglichkeiten, ein Leben zu gestalten, Beziehungen einzugehen, eine Haltung zu finden. "Der verlorene Drache", die zweite Tanz-Produktion von Malou Airaudo am Schauspielhaus Bochum, zeigt den auf sich selbst zurück geworfenen Menschen in einer Reflektion über die Zeit.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 16.10.2011, 13:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Adnan Dushaku und Szu-Wei Wu im Tanztheaterstück »Der verlorene Drache«.

Adnan Dushaku und Szu-Wei Wu im Tanztheaterstück »Der verlorene Drache«.

In einem Café hat die Tänzerin und Choreografin aus Pina Bauschs Kompanie das Bild vom verlorenen Drachen aufgeschnappt und darin eine Metapher auf das menschliche Dasein gesehen: Der Mensch ist im Grunde allein, ein Fremder in der Welt, er muss selbst entscheiden, was er mit seiner Zeit anfängt, wie er sie mit anderen teilt.Das Leben erwacht langsam Langsam erwacht das Leben auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele zum Leben. Zaghaftes Sonnenaufgangslicht dringt durch die sieben offenen Türen, ein Tänzer lässt Sand durch die Hände rieseln, andere bewegen sich am Boden entlang oder die Wände herunter. Einer läuft abgehackt, wie ferngesteuert oder im Stroboskoplicht. Wie die anderen muss er seinen Platz erst finden - in seinem Fall: zu fließenden Bewegungen.

Wie schon in der Vorjahres-Inszenierung "Irgendwo" bringt Malou Airaudo in "Der verlorene Drache" moderne Tänzer mit klassischer Ausbildung mit Tänzern der Herner Streetdance-Truppe Renegade zusammen.Tänzer sprechen zwei Sprachen Auch dem neuen Stück ist deutlich anzumerken, dass die Darsteller zwei Sprachen sprechen. Die klassischen Tänzer sind stärker im Ausdruck, finden zu fließenderen Bewegungen, während die B-Boys immer wieder mit artistischen Einlagen überraschen. Sie bewegen sich fast selbstverständlicher auf Händen als auf Füßen.

Unter dem Thema der individuellen Lebensgestaltung geht gerade diese Setzung der Unterschiedlichkeit der Stile wunderbar auf. Die Gruppe findet zu Harmonie in der Ungleichheit und immer wieder zu bestechend schönen Bildern. Selten hat man etwa den Tod so schlicht und unprätentiös und doch voller Hoffnung auf Erlösung gesehen. Das Publikum spendete riesigen Jubel mit Bravos und Standing Ovations.Termine: 20./30.10., 9./19./ 27. 11.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.

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