Deutsche Urlauber müssen für Corona-Rückholaktion zahlen

Coronavirus

250.000 Deutsche wurden während der Corona-Krise in der größten Rückholaktion der Geschichte heimgeflogen. Jetzt müssen sie zahlen: Zehntausende Rechnungen sollen bald verschickt werden.

Berlin

13.06.2020, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mehr als 300 Deutsche wurden beispielsweise vom internationalen Flughafen Ninoy Aquino in Manila zurückgeholt, nachdem ein Flugzeug von der deutschen Botschaft auf den Philippinen wegen der Covid-19-Pandemie gechartert wurde.

Mehr als 300 Deutsche wurden beispielsweise vom internationalen Flughafen Ninoy Aquino in Manila zurückgeholt, nachdem ein Flugzeug von der deutschen Botschaft auf den Philippinen wegen der Covid-19-Pandemie gechartert wurde. © picture alliance/dpa

Sie waren plötzlich am Urlaubsziel gestrandet: Etwa eine viertel Million Urlauber aus Deutschland wurden in einer beispiellosen Rückholaktion der Bundesregierung heimgeholt: Mehr als 240 Sonderflüge aus insgesamt 62 Ländern hat das Auswärtige Amt organisiert.

Gratis war das aber nicht: Bevor die Passagiere ins Flugzeug steigen durften, mussten sie ein Formular ausfüllen, ihre Daten angeben und unterschreiben, dass sie einen Teil der Kosten übernehmen werden.

Reisende mussten ein Formular unterschreiben

Wer nachfragt bei Reisenden, ob sie inzwischen eine Rechnung vom Auswärtigen

Amt für ihren Rückholflug bekommen haben, der kriegt immer dieselbe Antwort. „Wir haben nichts gehört und warten immer noch“, erzählt zum Beispiel Theresa Böhm aus München. Ihre Eltern waren im März in Mexiko gestrandet, als plötzlich die regulären Flüge gestrichen wurden. Sie kamen dann im Rahmen der Corona-Rückholaktion wieder nach Deutschland - mit einer Maschine, gechartert vom Auswärtigen Amt.

„Im Formular, in dem man seine Daten angegeben hat, musste man unterschreiben, dass man bereit ist, dafür etwas zu zahlen“, sagt Böhm. Wie viel genau, das ist auch knapp zwei Monate nach Ende der Aktion offen.

Kein Wunder: Das Rückholprogramm ist historisch beispiellos. Jetzt zehntausende Rechnungen für Heimkehrer auszustellen, ist ein enormer Aufwand für das Auswärtige Amt - in ohnehin turbulenter Zeit. Doch bald soll es soweit sein: „In den nächsten Tagen und Wochen“ würden die Betroffenen informiert, heißt es aus dem Amt auf Anfrage.

Das Auswärtige Amt hatte am 17. März eine beispiellose Rückholaktion für die im Ausland wegen der Corona-Pandemie gestrandeten deutschen Touristen gestartet. In gut fünf Wochen wurden 240.000 Menschen nach Hause geflogen, 66.000 davon mit vom Auswärtigen Amt angemieteten Maschinen.

Es geht um Gleichbehandlung

Außenminister Heiko Maas hatte vor Kurzem angekündigt: „Das ist auch nötig - aus Gleichbehandlungsgrundsätzen, weil wir bei der Rückholaktion auch mit privaten Anbietern zusammengearbeitet haben. Diejenigen, die mit kommerziellen Fluggesellschaften geflogen sind, mussten ihre Tickets auch bezahlen.“

Wer also mit einem Charter-Flug vom Auswärtigen Amt zurückgeholt wurde, bekommt bald Nachricht. Fällig wird dann eine Pauschale. Die richtet sich nach der Entfernung, nach vergleichbaren Durchschnittspreisen für ein Economy-Ticket und nach den Kosten ähnlicher Rückholaktionen anderer EU-Länder, wie das Auswärtige Amt erklärte. Ob die tatsächlich entstandenen Kosten gedeckt sind, spielt demnach keine Rolle.

Konkrete Summen noch unbekannt

Es geht also eher um ausgleichende Gerechtigkeit. Konkrete Summen will das Auswärtige Amt bislang nicht nennen. Realistisch scheinen verschiedene Pauschalen für Mittel- und Langstreckenflüge, die vor allem im dreistelligen Eurobereich pro Person liegen dürften. Auch Theresa Böhm und ihre Eltern werden wohl bald eine Rechnung bekommen für die Rückholung aus Mexiko: „Das finde ich ok. Man ist ja auch geflogen“, sagt die Münchnerin.

Die Politik muss sich jetzt noch um eine andere große Abrechnung kümmern: Denn der Bundestag hatte der Bundesregierung 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Charterflüge für die Rückholaktion vorzufinanzieren. Von dem Geld soll aber nun einiges zurückfließen - unter anderem die Eigenanteile der Reisenden.

mit ARD

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