Die DDR lebt

Neuer Roman "Plan D"

HAGEN. Wenn die DDR nicht gestorben wäre, dann lebte sie noch heute. Ein gruseliger Gedanke. Und einer, den der Hagener Autor Simon Urban konsequent zu Ende gedacht hat. Sein Buch "Plan D" beschreibt die Deutsche Demokratische Republik, wie sie heute (vielleicht) wäre.

von Von Bettina Jäger

, 11.08.2011, 20:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Simon Urban ist der Autor von  "Plan D".

Simon Urban ist der Autor von "Plan D".

Ein Roman, der George Orwells Klassiker "1984" in nichts nachsteht, außer dass "Plan D" lustiger ist. Die DDR hat statt der Wiedervereinigung eine "Wiederbelebung" hinter sich. Egon Krenz ("Alle fahren Trabi, nur der Krenz, der fährt Benz") herrscht über eine Spitzel-Diktatur. Diese DDR ist kein Land des Lächelns - stattdessen grau, schmierig, abgewrackt. Im Mittelpunkt steht der Polizist Martin Wegener, der einen Mordfall zu klären hat, der an das Vorgehen alter Stasi-Kader erinnert. "Plan D" ist eine satirische Vision, die einem trotz aller komischen Aspekte eine Gänsehaut auf den Rücken treibt.Starke Grundidee

"Ich habe berufsbedingt ein Faible für starke Grundideen", erzählt Autor Simon Urban, der bei der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt arbeitet. Kaum zu glauben angesichts dieses anspielungsreichen Romans, dass der 35-jährige gebürtige Hagener die DDR kaum selbst erlebt hat. "Ich habe erst später realisiert, dass ich 15 Jahre lang in direkter Nachbarschaft einer Diktatur gelebt habe", berichtet er. Die DDR sei ein "Drecksregime" gewesen."Das hat noch niemand gemacht"

Dieses Regime mit Hilfe der Literatur weiterleben zu lassen - "das hat noch niemand gemacht", erzählt Urban. Vorbild war ihm jedoch Michael Chabon, der für seinen Krimi "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" ein jüdisches Selbstverwaltungsgebiet anno 1941 in Alaska erfunden hatte. Den viel bekannteren Verwandten seines Romans, den Thriller "Vaterland", in dem Robert Harris das Dritte Reich weiter existieren lässt, hat Simon Urban nur als Film gesehen.Brillanter Erstling

"Plan D" ist der erste Roman des klugen Autors, der in Münster studiert, eine Ausbildung an der "Texterschmiede Hamburg" absolviert und mit einer Kurzgeschichte den "Literaturförderpreis Ruhrgebiet" gewonnen hatte. Sein Krimi-Erstling entpuppte sich als so brillant, dass Urban den Verleger Klaus Schöffling sofort begeistern konnte: "Der hat das Buch in drei Tagen ausgelesen." Das Lektorat übernahm Juli Zeh, selbst eine herausragende Autorin.

Von Gregor Gysi, der in der fiktiven DDR gerne Staatsratsvorsitzender werden will, und Oskar Lafontaine, der in "Plan D" als Bundeskanzler auftritt, hat Urban dagegen noch keine Reaktion erhalten. "Ich weiß nur, dass der Verlag den beiden das Buch geschickt hat", lächelt er.

Widmung an Schabowski Doch warum ist sein Werk ausgerechnet Günter Schabowski gewidmet? "Die Kernfrage des Buches ist für mich, ob irgendwer aus der Geschichte lernt", erklärt Urban. Schabowski sei einer der wenigen, die sich zu ihrer Mitverantwortung am DDR-Unrecht bekannt hätten. Urban: "Das finde ich bewundernswert".

 

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