Die Ein-Mann-Armee mit Laptop

Kinofilm "Inside Wikileaks"

Dass Julian Assange an diesem Film kein gutes Haar lassen würde, haben sich dessen Macher schon gedacht. Und eine Szene eingebaut, in der Benedict Cumberbatch (als Assange) "Inside Wikileaks" ein verlogenes Machwerk nennt.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 29.10.2013, 19:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Laptop: Benedict Cumberbatch (v.l.) als Julian Assange, Carice van Houten als Birgitta Jonsdottir, Daniel Brühl als Daniel Domscheit-Berg und Moritz Bleibtreu als Hacker.

Am Laptop: Benedict Cumberbatch (v.l.) als Julian Assange, Carice van Houten als Birgitta Jonsdottir, Daniel Brühl als Daniel Domscheit-Berg und Moritz Bleibtreu als Hacker.

Heute steckt der Silberfuchs Assange in London fest, schachmatt gesetzt durch den Vorwurf der Vergewaltigung. Der Stratege der Enthüllungs-Plattform als Opfer einer Hexenjagd? Zum schwebenden Verfahren maßt sich der Film von Bill Condon kein Urteil an, über die Person Assange und seine Webseite schon: "Inside Wikileaks" porträtiert den Mann als einen Besessenen mit Messias-Komplex, sein Projekt einer Gegenöffentlichkeit im Internet als revolutionär.Ein Riesen-Coup

2010 landete "Wikileaks" den größten Scoop der neueren Mediengeschichte, als es synchron mit drei Zeitungen geheime US-Dokumente veröffentlichte. Publik werden Kriegsverbrechen und Dossiers über Politiker. Assange ist die Lichtgestalt der Stunde, ein Streiter für die Wahrheit, der die Mächtigen das Fürchten lehrt.Mit Daniel Brühl

Condons Film erzählt, wie Assange auf diesen Moment hingearbeitet hat. 2007, auf einem Hacker-Treffen in Berlin, ist er ein Nobody. Einer mit Vision und Charisma. Daniel Domscheit-Berg, gespielt von Daniel Brühl, schließt sich ihm an. Per Laptop heben sie die Welt aus den Angeln. Lettern tanzen über die Leinwand und visualisieren das Treiben in Chatrooms und auf Servern, die Berg und Assange in ganz Europa aktivieren.

"Inside Wikileaks" ist Doku-Drama (mit fiktionalen Anteilen) und Medien-Thriller. Sein Vorbild heißt "Die Unbestechlichen", wie eine Bildmetapher belegt, wo Dutzende von Assange-Klonen in einem surrealen Großraumbüro hocken, das dem bei Alan J. Pakula ähnelt: "Wikileaks" als die Ein-Mann-Armee des Julian Assange. Das ist erstaunlich spannend, in den besten Momenten stellt sich Nachrichtenfieber ein.Cumberbatch spielt brillant

In seiner Logik ist der Film auch als Charakterstudie stimmig: Cumberbatch brilliert als manischer Großkotz, Brühl überzeugt als graue Maus. Beste Unterhaltung. Und ein Plädoyer für die "Kampfpresse".