"Die Entführung aus dem Serail" konventionell inszeniert

Theater Hagen

Dieser Osmin braucht nicht lange, um zu überzeugen. Kaum hat er seine erste Arien angestimmt, ist es schon abzusehen: Martin Jeaseok Ohu wird wohl der Star dieses Abends werden.

HAGEN

von Von Karsten Mark

, 07.09.2014, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Martin Jeaseok Ohu gibt den grimmigen Osmin, Richard van Gemert den gebeutelten Pedrillo.

Martin Jeaseok Ohu gibt den grimmigen Osmin, Richard van Gemert den gebeutelten Pedrillo.

So präsent und charismatisch füllt sein warmer Bass den Raum und auch physisch zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Wie ein alt-türkischer Haremswächter wirkt der Koreaner zwar nicht - die Maske hat ihn eher zu einem grimmigen Samurai ausstaffiert -, an seiner Bösartigkeit allerdings lässt er keinen Zweifel.

Pedrillo bekommt es alsbald zu spüren, wenn Osmin ihn mit dem Kopf in einen Putzeimer stopft. So scheint sich gleich zu Anfang eine Inszenierung zu entwickeln, die mit Zuspitzung und Überraschungen aufwartet.

Leider kann Regisseur Thomas Weber-Schallauer die Erwartung, die er weckt, am Ende nicht erfüllen. Insgesamt ist es dann doch eine eher konventionelle Fassung geworden, in der Mozarts "Entführung aus dem Serail" nach über 18 Jahren wieder am Theater Hagen zu sehen ist.

Denn wirklich verabschiedet hat sich Weber-Schallauer nicht von der Türken-Maskerade, die uns heute zwangsläufig eigenartig anmutet. Da gibt es noch die Haremsdamen in Ganzkörperverschleierung und die Wächter in dekorativ-orientalischen Gewändern. Zumindest Erstere bieten einen vielversprechenden Regieansatz. Denn auch Konstanze, die entführte Engländerin, wird zwangsverschleiert und man nimmt ihr ihre sämtlichen Bücher weg. Die Kritik am islamischen Fundamentalismus ist durchaus gelungen. Doch vieles Andere wirkt eher platt: etwa der goldene Käfig, in dem ein Großteil der Handlung spielt (Bühne: Jan Bammes) oder - noch schlimmer - die Dornenkrone, die sich Konstanze aufsetzt, wenn sie von den "Martern aller Arten" singt, die sie bereit ist, auf sich zu nehmen. Gleich zwei Gastsolisten in zentralen Partien stehen zur Saisoneröffnung auf der Hagener Bühne: Neben Ohu, der nur als Glücksgriff bezeichnet werden kann und allein im extrem tiefen Register kleine Schwächen offenbart, ist es die junge lyrische Koloratursopranistin Sarah Längle als Konstanze, die mit blitzsauberer Intonation und hoher stimmlicher Beweglichkeit beeindruckt. Allein im Zusammenklang mit dem ebenfalls sehr jugendlichen hellen Sopran von Maria Klier als Blonde fällt auf, dass Längles Konstanze mitunter etwas mehr dramatische Kraft vertragen könnte.

Sehr exakt und klangschön singt auch Kejia Xiong seinen Belmonte, allein sein Auftreten ist mitunter recht steif. Etwas indisponiert und angestrengt wirkte zur Premiere Richard van Gemert als Pedrillo. Generalmusikdirektor Florian Ludwig zeichnet für die sehr ordentliche musikalische Qualität dieser Produktion verantwortlich.

Termine: 11./14./21./28.9.; Karten: Tel. (02331) 2 07 32 18. 

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