"Die Fledermaus" als schrille Klamotte in Dortmund

Oper

DORTMUND Hoch lebe die Majestät Champagner. Sie hilft über viel hinweg. Auch über Albernheiten, mit denen Regisseur Oliver Tambosi seine Dortmunder "Fledermaus" zur schrillen Klamotte macht. Oder (im dritten Akt) der Langeweile ein Zuhause gibt.

von Von Julia Gaß

, 18.10.2009, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit anzüglichem Dortmund-Shirt darf Alfred (Craig Birmingham) in Rosalindes (Susanne Schubert) Ehebett steigen.

Mit anzüglichem Dortmund-Shirt darf Alfred (Craig Birmingham) in Rosalindes (Susanne Schubert) Ehebett steigen.

Der Österreicher überdreht und überreizt, lässt die Drehbühne rotieren - was es den Sängern schwer macht, mit dem Orchester zusammen zu singen - und schafft dazwischen Leerräume, in denen wenig passiert.

Die Ouvertüre der Operette von Johann Strauß wird unterbrochen für einen Rückblick auf den Faschingsball, bei dem Eisenstein einst den betrunkenen Dr. Falke seines Batman-Fledermaus-Kostüms entledigt. Nackt springt die Fledermaus durchs Parkett. - Und übt dann bekanntlich Rache. Die in Dortmund dreieinhalb Stunden dauert.

In Eisensteins Wohnung (Bühnenbild: Bengt Gomér) wird's turbulent. Unermüdlich rotieren dort Plexiglas-Zimmer-Würfel auf der Drehbühne. Kammerzofe Adele enthaart sich die Beine im Bad, Eisenstein fläzt sich in Ballonseide und Bananen-Shirt neben einem Plastik-Planschbecken, seine Rosalinde steht - theatralisch aufgeputscht - nervlich und stimmlich immer kurz vor dem Zusammenbruch. Ihr Liebhaber Alfred (Craig Bermingham) steigt mit anzüglichem Dortmund-Hemd ins fremde Bett. Kann man sich dran gewöhnen, glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist, aber "Fledermaus"-Atmosphäre, die das Operettenpublikum erwartet, stellt sich dabei nicht ein.

Dass sich Graf Orlofsky (solide gesungen von Vera Semieniuk) bei seinem Ball in der Badewanne im Luftschlangen-Geld langweilen muss, kann man verstehen. Das Fest ist eine Cellulitis-Show mit mehr nacktem Fleisch von Statisten (Kostüme: Inge Medert) als man sehen möchte. Champagner wird aus Flaschen gesoffen, mehr erspart uns die Regie. Situationskomik hat die Inszenierung zuweilen. Im dritten Akt, im Gefängnis, blitzt sie auf, dazwischen ist aber viel Leerlauf. Der Frosch, berlinert von Steffen Scheumann, stiefelt aus dem Publikum in den Knast, hat hübsche Einlagen, aber den Schauspieler kennt man aus dem "Weißen Rössl" munterer. Bart Driessen ist als Gefängnisdirektor Frank eine humorvolle Operettenspielfigur, ebenso Stephan Boving als Advokat Dr. Blind. Hannes Brock glänzt wieder als unermüdlicher Spielmotor, ist lustvoll in jeder Szene und hat auch Wiener Charme.

Würde Eisenstein seine Frau nach der Stimme aussuchen - er müsste Adele den Vorzug geben. Julia Amos glänzt als Kammerzofe, lässt die Stimme in Walzerkoloraturen funkeln und ist sehr präsent.

Susanne Schubert als Rosalinde klingt mühevoll, die Stimme passt nicht in dieses Rollenfach. Von den Dortmunder Philharmonikern unter Leitung von Ekhart Wycik hörte man schon viel Schönes, am Zusammenspiel mit den Sängern kann man noch arbeiten. - Sofern das in dem Trubel möglich ist.

  • Termine: 24.10., 8., 14.11., 11., 31.12., 6., 24.1.,5., 11.3., 21.4., 4.6.; Karten: Tel. (0231) 5027222.
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