Die große Lust auf Liszt

200. Geburtstag

Was waren das für fünf unglaubliche Jahre für die Musikgeschichte: 1809 wurde Mendelssohn geboren, 1810 Schumann und Chopin, 1811 Liszt und 1813 Wagner und Verdi.

DORTMUND / ESSEN

von Von Julia Gaß und Gaby Kolle / dpa

, 21.10.2011, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bild nach einem Foto von 1869 mit Liszt am Klavier.

Bild nach einem Foto von 1869 mit Liszt am Klavier.

2011 ist ein doppeltes Liszt-Jubiläums-Jahr. Am 31. Juli vor 125 Jahren starb der Schwiegervater von Richard Wagner in Bayreuth, heute (22.10.) vor 200 Jahren wurde er im ungarischen Raiding, heute Burgenland, geboren.

Das Doppeljubiläum schlägt sich auf dem Buchmarkt, in vielen Liszt-Biografien, auf dem Plattenmarkt und in den Spielplänen der Konzerthäuser nieder. Das Konzerthaus Dortmund feiert den Virtuosen noch mit vier Konzerten in diesem Jahr.

Höhepunkt ist der reine Liszt-Klavierabend von Jean-Yves Thibaudet am 29.11. Die "Junge Wilde" Lise de la Salle spielt am 24.11. Liszt. Das zweite Klavierkonzert erklingt am 20.11. (16 Uhr) mit Nikolai Tokarev. Das erste Klavierkonzert liefert Alice Sara Ott am 20. Mai 2012 nach.  Ein Orgelwerk von Liszt, "An den heiligen Franziskus von Paula", spielt Winfried Bönig am 23. Oktober. In der Philharmonie Essen steht am 5. November Präludium und Fuge über B-A-C-H auf dem Programm de der Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe.

Die Liszt-Stadt ist Weimar. 1842 wurde der Virtuose dort Kapellmeister und leitete von 1848 bis 1858 Hofkapelle und Musiktheater. Weimar feiert den Geburtstag bis 31. Oktober mit dem Festival "Lisztomania 11". Zum heutigen Festakt wird Bundespräsident Christian Wulff erwartet. Auch in Dortmund ist Liszt aufgetreten: Am 24. August 1843 kam er mit der Postkutsche von der Insel Nonnenwerth im Rhein, wo er lebte, und spielte zum 300-jährigen Bestehen des Städtischen Archigymnasiums im "Casino". Fantasien über Mozarts "Don Giovanni" und Lieder von Schubert ("Erlkönig") haben großen Eindruck gemacht.

Kunsthistoriker Prof. Dr. Wilhelm Lübke beschrieb in seinen Lebenserinnerungen Liszts Klavierspiel als "dämonisch hinreißend wie die ganze Persönlichkeit. Von einer solchen Beseelung des Instrumentes, von einer solchen Macht der künstlerischen Individualität hatte ich bis dahin keine Ahnung." Die Konkurrenz zwischen den jungen, Anfang des Jahrhunderts geborenen Komponisten muss groß gewesen sein. Mendelssohn nannte Liszt den "Dilettantischsten aller Dilettanten"; Chopin bezeichnete ihn 1831 in einem Brief als "pianistische Null."

Am 31. Juli 1886 starb Liszt in Bayreuth und wurde am 3. August auf dem dortigen Stadtfriedhof beigesetzt. Bei der Totenmesse spielte Bruckner an der Orgel über Motive aus Parsifal.

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