"Die Hochzeit des Figaro" im MiR gefeiert

Mozart in Gelsenkirchen

Mozarts Meisterkomödie "Die Hochzeit des Figaro" feierte im Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen, in italienischer Sprache, eine begeistert aufgenommene Premiere.

GELSENKIRCHEN

von Von Heinz-Albert Heindrichs

, 18.11.2012, 12:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Susanna (Alfia Kamalova) und Figaro (Piotr Prochera) in der Gelsenkirchener Inszenierung.

Susanna (Alfia Kamalova) und Figaro (Piotr Prochera) in der Gelsenkirchener Inszenierung.

Wer sie sehen und hören will, sollte zuvor den Verlauf der Geschichte kennen. Denn die Gefühlswallungen und Liebesintrigen, die da auf einen zukommen, sind verwirrend vielschichtig. Vor allem aber sollte man sich dann beson-ders auf Mozarts geniale musikalische Gestaltung konzentrieren, denn dies tut auch diese Gelsenkirchener Produktion, und zwar in vorbildlicher Weise.

Das Musiktheater hat einen neuen ersten Kapellmeister, den 30-jährigen Finnen Valtteri Rauhalammi und sein Debut mit dieser Musik ist schlechthin beglückend: Es ist, als dirigiere Mozart selbst; das Orchester blüht und atmet mit ihm.Kaum Regietheater-Gags Auch das Regie- und Bühnenkonzept hat sich ganz auf Mozart eingestellt. Der Orchestergraben ist halb hochgefahren, sodass sich die Musik konzertant und mühelos im Raum entfaltet. Das Bühnenbild (Etienne Pluss) schließt mit hohen, palisanderfarbigen Wänden die Hinterbühne aus, sodass Raum- und Stimmenklang nicht nach hinten ausweichen können. Gastregisseur Peter Hailer, der hier schon "My fair Lady" und "Anatevka" erfolgreich inszenierte, verzichtet weitgehend auf Regietheater-Gags, er lässt das Ensemble, der Musik zuliebe und ganz auf sie konzentriert, nur nach vorne agieren. 

Paradebeispiel für diesen Regiestil ist das Finale des 2. Aktes, das vom gesamten Solistenensemble vorn an der Rampe stehend gesungen wird. Dies mag mitunter konventionell wirken, aber die Akteure nehmen die totale Huldigung vor Mozart dankbar auf. Eine besondere musikalische Delikatesse sind die Rezitative. Rauhalammi begleitet sie selbst, aber nicht per Cembalo, sondern auf dem klangsensibleren Hammerklavier so, dass es die Textdeklamationen unverhofft befreit.Tolle Ensembleleistung Mozarts Ansprüche an das elfköpfige Solistenensemble sind groß und nicht leicht zu besetzen, aber das Gelsenkirchener Team bewältigt sie bravourös aus eigener Kraft und ohne Gäste. Und das garantiert, im Zusammenwirken mit dem stets präsenten Chor, eine Ensembleleistung, die im Revier wohl ihresgleichen sucht.

Termine: 23./30.11.; Karten: Tel. (0209) 4 09 72 00.

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