Die Kinder in ihrer Phantasiewelt abholen

Bernd Schindowski

GELSENKIRCHEN. Ein Auftritt des legendären Scapino-Balletts 1968 mit einem Programm eigens für Kinder in der Kölner Tanzakademie wurde für Bernd Schindowski zum Aha-Erlebnis. Zehn Jahre später brachte er als Gelsenkirchener Ballettdirektor am Musiktheater im Revier (MiR) sein erstes eigenes Ballett heraus.

von von Bernd Aulich

, 04.04.2011, 15:10 Uhr / Lesedauer: 1 min

Und seitdem verging am MiR keine Saison ohne ein neues Tanzstück für die jüngsten Besucher. Keine andere deutsche Bühne hat sich so beharrlich und mit vergleichbar hohem professionellen Anspruch dem Ballett für Kinder gewidmet. Schon Kinder ab drei in ihrer Phantasiewelt abzuholen, lautet Schindowskis Devise. Und wie beim Scapino-Ballett, das seinerzeit Hans van Manen mit der Choreografie betraute, ist Schindowski für Kinder das Beste vom Besten gerade gut genug. Für sie choreografierte er seinen ersten "Feuervogel". Für sie blätterte er schon in seinem ersten Kinderballett die "Tanzgeschichte" auf. Für sie ließ er die Instrumente tanzen, um ihnen das Instrumentarium eines Orchesters nahe zu bringen. Und ihnen erzählte er in "Knochenhart" sogar vom Tod. Lernen konnte man in jedem dieser Ballette etwas. Aber die Didaktik war geschickt eingebettet in einen überbordend bunten Bühnenzauber. Den genießen auch die Eltern. "Meine Mutter hatte bei meinen Kinderballetten den größten Spaß", sagt der 63-Jährige, der sich im Sommer nach 33 Jahren als Ballettchef verabschiedet. Mit Schindowskis Abschied verschwinden Kinderballette nicht vom Spielplan. Ein Tanzstück für Kinder pro Saison zähle zu den Bedingungen für seinen Nachfolger, heißt es am MiR. In der deutschen Ballett-Landschaft bleibt das Gelsenkirchener Haus damit einzigartig.

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