Die Rache der Meerjungfrau

Theater Oberhausen

Was ist diese Hedda Gabler am Theater Oberhausen nicht alles: Meerjungfrau und Luxusweibchen, gelangweilte Ehefrau und Femme fatale, dazu Tochter eines Sowjet-Generals, mit Männerfantasie wie Marilyn Monroe - und am Ende so tough, dass sie sich nicht selbst erschießt, sondern ihr Schöpfer Henrik Ibsen das erledigen muss.

OBERHAUSEN

, 28.02.2016, 12:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Familienidyll mit Meerjungfrau: Tesman (Klaus Zwick) und Tante Juju (Elisabeth Kopp) lassen sich durch Hedda (Lise Wolle) nicht in ihrer Konversation stören.

Familienidyll mit Meerjungfrau: Tesman (Klaus Zwick) und Tante Juju (Elisabeth Kopp) lassen sich durch Hedda (Lise Wolle) nicht in ihrer Konversation stören.

Verantwortlich für die teilweise auch in der Wortwahl heftige Neuinszenierung im Theater Oberhausen ist Lena Kitsopoulou, die hier erstmals außerhalb Griechenlands arbeitete. Die Regisseurin macht viele, auch gegensätzliche Sehangebote: Realismus und Dekonstruktion, ernsthafte und karikaturhafte Zeichnung der Personen.

Powerfrau und Pantoffelheld

Hedda (Powerfrau: Lise Wolle) lässt sie als Nixe in den historisch dekorierten Salon herein robben, wo ihr Gatte Tesman (Pantoffelheld: Klaus Zwick) mit Tante Juju (später auch Marilyn Monroe: Elisabeth Kopp) auf dem Sofa hockt.

Hinter der Salonfassade gibt es eine weiß geflieste Männertoilettenanlage mit drei Urinalen - so viele Männer kommen im Stück vor. Dort wird er ihr wehtun, indem er ihr die Schwanzflosse abreißt.

Ihren Langweiler Tesman kann sie damit nicht meinen, wohl aber Amtsgerichtsrat Brack (lüsterner Löwe: Henry Meyer) und den sich mit ihrem Gatten messenden Ejlert (cool und mit Style: Jürgen Sarkiss). Ihre Rivalin, die verzweifelt in Ejlert verliebte Thea (hysterisch: Laura Angelina Palacios) hält sich Hedda in Raubtiermanier vom Leibe.

Schräge Szenen

In ihrer schrägsten Szene wettert die Titelheldin in Sowjetuniform mit Strumpfmaske überm Gesicht auf Englisch über die Nazis und hält dabei einen Revolver an die Schläfe ihres Mannes.

Bei der Premiere wurden manche Zuschauer durch diese "Hedda Gabler" vergrault. Die, die blieben, spendeten allerdings begeistert Beifall.

Termine: 9./11./19.3., 17.4.; Karten: Tel. (0208) 85 78 184. 

Lesen Sie jetzt