„Die Tribute von Panem – Mockingjay“ ist kaum mehr als ein Appetithappen

Neu im Kino

Seit Monaten kommen Mails: Erstes Plakat, erste Fotos, erster Trailer! Nach allem Tamtam ist man froh, dass nun der Film läuft. „Die Tribute von Panem – Mockingjay“ (Teil eins) entpuppt sich als Appetizer, als eine Art überlanger Werbespot für den letzten, abschließenden Streifen.

18.11.2014, 19:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen.

Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen.

Wir verfolgen eine Hängepartie, die zudem auf weiteren Feldern schwächelt. Deutlich tritt hervor, was schon die ersten Filme ahnen ließen: „Die Tribute von Panem“ sind halt doch nur die Westentaschen-Version der großen Dystopien aus der Feder von Orwell oder Huxley. Leicht konsumierbar Teenagerstoff, freigegeben ab zwölf Jahren. Man erwarte keine intellektuellen Finessen. Der Stoff ist leicht konsumierbar, die Fronten sind klar, die Konflikte eindeutig, die Charakterfarben grell.

Die ersten „Panem“-Filme variierten das Thema von „Rollerball“ oder „Running Man“: TV-Gladiatoren zerfleischen sich in blutigen Spielen, inszeniert als Show, die einem Terrorstaat zur Volksbelustigung dient.

Ein bisschen Seifenoper war auch dabei. Liebe, Entsagung, Opfergang. Amazone Katniss (Jennifer Lawrence) avancierte per Mattscheibe zur Galionsfigur der Rebellion gegen das „Kapitol“, die Zentrale der Macht und des Bösen. Sie konnte die Arena verlassen und lebt nun bei den Aufständischen, die sich unter die Erde verkrochen haben. Die Revoluzzer brauchen Katniss, sie ist das Gesicht des Widerstands, sie mobilisiert die Massen.

„Mockingjay“ ist eine Lektion in Sachen Propaganda. Die Rebellen drehen Videos mit Katniss, sie wird zur Jeanne D‘Arc im Tele-Krieg. Singt sie ein Lied, wird es morgen zur Hymne der Partisanen. So simpel geht das? Das Kapitol antwortet, schickt Interviews mit Peeta (Josh Hutcherson) durch den Äther. Katniss traut ihren Augen nicht: Welche Gehirnwäsche hat ihren Freund zum Feind gemacht? Cineastisch kommt der Film (Regie: Francis Lawrence) über Hausmannskost nicht hinaus. Implantierte Action-Module generieren kaum Spannung, die Darsteller wirken notorisch unterfordert. Ereignis-Kino sieht anders aus.

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