Diese Riesenzecke macht sich in Deutschland breit

Neuer Krankheitsüberträger

Wegen veränderter Klimabedingungen könnten neue Zeckenarten nach Deutschland einwandern – und damit auch neue Viren übertragen. Ein Blutsauger taucht in den letzten Jahren bereits vermehrt auf.

von Saskia Bücker

, 07.06.2020, 12:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine tote Hyalomma marginatum. Riesenzecken machen sich inzwischen auch in Deutschland breit.

Eine tote Hyalomma marginatum. Riesenzecken machen sich inzwischen auch in Deutschland breit. © picture alliance/dpa

Ein Rekordwert jagt den nächsten: Erst diese Woche hat die Weltwetterorganisation vermeldet, dass der Mai 2020 im globalen Schnitt der wärmste seit Beginn der Copernicus-Aufzeichnungen war. Das hat Konsequenzen für Mensch und Tier: So hat das Deutsche Rote Kreuz bereits davor gewarnt, dass wegen steigender Temperaturen auch die Zeckengefahr in Deutschland zunimmt.

Die Zeckenforscherin Ute Mackenstedt geht davon aus, dass wegen des fortschreitenden Klimawandels die Wahrscheinlichkeit steigt, dass neue Zeckenarten auch langfristig nach Deutschland einwandern könnten. Das sagte die Parasitologin von der Universität Hohenheim im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Was das Problem dabei für den Menschen ist? „Neue Zeckenarten bergen das Risiko, dass neue Krankheitserreger auftauchen könnten“, befürchtet die Expertin.

Riesenzecke Hyalomma seit 2007 in Deutschland

Hierzulande dominiert eigentlich der Gemeine Holzbock, eine Lauerzecke, gefürchtet dafür, beim Zeckenbiss Borreliose und FSME zu übertragen. Eine neue Krankheiten übertragende Zeckengattung hat es aber bereits 2007 in unsere Breitengrade geschafft: die Hyalomma-Zecke.

Sie war ursprünglich nur in Teilen Asiens, Afrikas und Südosteuropa verbreitet. Diese Jagdzecke ist etwa doppelt so groß wie der Gemeine Holzbock, hat gestreifte Beine und krabbelt aktiv und schnell direkt auf einen für sie attraktiven Wirt zu. Hyalomma-Zecken tragen mehrere Viren im Körper.

Beim Festbeißen im Wirt können sie dann schwerwiegende Erkrankungen wie das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber und Fleckfieber auslösen. Die Symptome sind vielfältig, bei besonders schwerem Verlauf tritt der Tod meistens durch Multiorganversagen auf.

Hyalomma-Zecken mögen Trockenheit

„Diese Art ist sicher auch schon früher mit Zugvögeln nach Deutschland gekommen, aber sie konnte die Häutung zur erwachsenen Zecke nicht durchlaufen, da Hyalomma dafür lange Trockenperioden benötigt“, erklärt Zeckenforscherin Mackenstedt den Zusammenhang mit veränderten klimatischen Verhältnissen.

Deshalb steige die Wahrscheinlichkeit, dass solche Zecken wegen langer Trockenheit und warmen Temperaturen hierzulande immer häufiger zu beobachten sein werden.

Diese Beobachtung macht auch das Robert-Koch-Institut, das die Zeckenverbreitung in Deutschland statistisch erfasst. Zum „Heimischwerden“ der Hyalomma-Zecken in Deutschland könne das RKI keine Prognose abgeben, hieß es auf RND-Anfrage.

Können die Tiere eine eigene Population in Deutschland aufbauen?

Es sei unklar, ob die im Winter überlebenden Tiere ausreichen, um langfristig eine eigene Population in Deutschland aufzubauen, heißt es auch auf der Homepage der Bundesbehörde. 2019 hat das RKI fünf Funde registriert, einige von ihnen trugen Fleckfieber-Erreger im Körper. Allerdings trug keine dieser übermittelten Zecken das Krim-Kongo-Virus in sich.

Im Jahr 2018 wurden 19 Hyalomma-Exemplare aus acht unterschiedlichen Bundesländern übermittelt: Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein. „Erwachsene Tiere dieser Arten sind ab Temperaturen von etwa zwölf Grad Celsius aktiv, tiefere Temperaturen scheinen die Tiere jedoch nicht zwangsläufig zu behindern, wie Funde aus den Herbstmonaten zeigen“, hält das RKI fest.

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