Dirigent Nézet-Séguin wollte auch als Pianist Spaß haben

Konzerthaus Dortmund

Dieser Abend sei "das Größte, was er bisher erleben darf", hat Dirigent Yannick Nézet-Séguin vor dem Konzert am Samstagabend im Konzerthaus Dortmund Intendant Benedikt Stampa gesagt. Und geübt, geübt, geübt.

DORTMUND

, 25.10.2015, 14:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein einzigartiges Erlebnis: Stardirigent Yannick Nézet-Séguin trat als Pianist im Konzerthaus Dortmund auf. Auf dem Foto mit Anna Prohaska und Andreas Ottensamer.

Ein einzigartiges Erlebnis: Stardirigent Yannick Nézet-Séguin trat als Pianist im Konzerthaus Dortmund auf. Auf dem Foto mit Anna Prohaska und Andreas Ottensamer.

Mit sieben Freunden, die der Kanadier eingeladen hatte, erlebte das Publikum den Dortmunder Exklusivkünstler als Pianisten. "Ich spiele als Hobby so Klavier, wie Sie unter der Dusche singen", sagte der 40-Jährige bescheiden.

Eine Untertreibung: Vor allem das Brahms-Klavierquintett am Schluss konnte mit Interpretation von Profi-Ensembles gut mithalten.

So emotional, wie er auch dirigiert, spielte der Kanadier Klavier. In Schuberts Fantasie für vier Hände überließ er Nicholas Angelich die Oberstimmen, übernahm aber die Pedale und damit die Feinschattierung von Klängen. Wie eine Träumerei klang das Werk zu Beginn, wurde dann dichter und packender.

Toller Klarinettist

Bratschist Pierre Tourville ist seit 20 Jahren der Lebensgefährte des Dirigenten. In Mozarts Kegelstatt-Trio hielt er sich zurück, ließ Klarinettist Andreas Ottensamer stärker in den Vordergrund treten.

Und mit dem 26-Jährigen, der auch neuer "Junger Wilder" des Konzerthauses ist, haben die Berliner Philharmoniker wieder einen Soloklarinettisten vom Format einer Sabine Meyer.

Brahms mit Emotionen

Samtweich blies Ottensamer seinen Part in dem Trio und auch den in Schuberts Lied-Szene "Der Hirt auf dem Felsen". Großartig! Solistin war Sopranistin Anna Prohaska, die dieses vorletzte Werk des großen Liedkomponisten mit sprechendem Gestus und schlankem, aber blühendem Sopran sang.

Und dann Brahms, mit Veronika Eberle und dem Konzertmeister des London Symphony Orchestras, Peter Schoeman, an den Geigen und Ausnahmecellist Jean-Guihen Queyras.

So elegant, so dicht, so changierend zwischen morbiden Klängen und romantischer Emphase klangen die vier Sätze. Und man staunte über die vielen Ausdrucksnuancen des Pianisten Nézet-Séguin.

"Spaß haben" wolle er beim Musizieren, sagte der Kanadier. Das sieht und hört man bei ihm immer. Und diesen Spaß hatte das Publikum auch.