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Bestattungshaus Geismann kritisiert Pläne der Stadt

Ausschreibung

Rainer und Karin Geismann vom Bestattungshaus Geismann kritisieren in einem Brief die Entscheidung der Stadt Dorsten.

DORSTEN

02.11.2012

Dorsten, 31.10.2012 Vom Ordnungsamt angeordnete Bestattungen Es ist soweit: Die Ausschreibung der Stadt Dorsten bezüglich der vom Ordnungsamt zu veranlassenden Bestattungen ist versandt worden, bis zum 8. November 2012 können Angebote abgegeben werden. Im Zuge des Haushaltssanierungsplans möchte man so pro Jahr ca. 5000 Euro an ca. 20 - 30 Beisetzungen einsparen - zum einen, indem man die Aufträge an den „billigsten“ Bestatter vergibt, zum anderen dadurch, dass die Urnen nicht mehr in Dorsten beigesetzt werden. Der Leistungsumfang beinhaltet das Abholen und In-den-Sarg-Legen des Verstorbenen, die Erledigung der Behördengänge, „Transport“ zum Krematorium, Einäschern und Urnenbeisetzung, einschließlich der Kosten und Gebühren. Der Endpreis ist entscheidend.

Es geht um Bestattungen von Menschen, die selbst kein Geld haben und auch keine nahen, bestattungspflichtigen Angehörigen. (Bestattungspflichtige Angehörige haben die Möglichkeit, finanzielle Hilfe vom Sozialamt zu erhalten - um sie geht es hier nicht.) Und es geht um Fälle, in denen Angehörige die Kosten der Bestattung nicht übernehmen wollen oder (zumindest zu diesem Zeitpunkt) nicht zu finden sind. In diesen Fällen ordnet das Ordnungsamt die Bestattung an. Bisher haben wir jeden Verstorbenen individuell bestattet. Wir haben immer nachgeforscht, ob es Angehörige, Freunde, Bekannte, Nachbarn gab, die vielleicht Abschied nehmen wollten. Wir haben versucht, herauszufinden, ob jemand zu einer Kirchengemeinde gehörte, und auch wenn das nicht der Fall war, hatten wir nie Probleme einen Seelsorger zu finden, für den die Begleitung dieses Abschieds selbstverständlich war. Die würdige Überführung der Urne im Bestattungswagen, die Aufbahrung am Grabe wie bei anderen Urnenbeisetzungen auch sind für uns Ausdruck der Achtung vor einem Menschenleben. In Zukunft sollen diese Dorstener Bürger nicht mehr in Dorsten bestattet werden. Sie verschwinden aus der Stadt. Die Urnen werden beim Krematorium beigesetzt oder vielleicht auch zu irgendeinem anderen Beisetzungsort weitergeschickt, wenn das billiger ist. Es gab vor ein paar Jahren mal einen solchen Fall, er löste große Empörung aus - jetzt soll das immer so sein. „Verarmt, verstorben, verscharrt“, so hieß eine Fernsehsendung vor noch nicht langer Zeit. Die Überschrift passt auch hier. Wie aus dem Text des Haushaltssanierungsplans hervorgeht, ist auch der Stadtverwaltung die Problematik durchaus bewusst.

Es geht ums Geld, der billigste bekommt den Auftrag. Der Preis ist aber immer gekoppelt an Leistung. Am billigsten kann der Anbieter sein, der seine Leistung auf ein Minimum beschränkt. Die Frage ist beispielsweise, was für einen Sarg man erhält - und ob dieser den Namen Sarg überhaupt verdient. Wie sieht dieser Sarg von innen aus? Gibt es eine Sargmatratze und eine Innenausstattung, wie es sonst üblich ist? Erhält der Verstorbene ein Kopfkissen, eine Decke? Wird er hygienisch versorgt und eingekleidet? Oder liegt der Mensch nackt in einer rohen Kiste? - Es gibt niemanden, der dies kontrolliert. Der Preis entscheidet. Überführungen sind billiger, wenn sie als Sammeltransport durchgeführt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel des Bundesverbandes der Deutschen Bestatter: „Kultur und Würde auch auf den letzten Wegen“ (Kritik an Massentransporten), Anonyme Feuerbestattung - Wunsch des Verstorbenen? Im Haushaltssanierungsplan findet sich ein Satz, dass bei einer anonymen Bestattung der Ort keine Rolle spielt. Das ist im Prinzip richtig. Allerdings sind die Menschen, um die es hier geht, überhaupt nicht gefragt worden. Darüberhinaus ist eine Feuerbestattung nur dann erlaubt, wenn der Verstorbene dies für sich so bestimmt hat. Doch diese Menschen sind nie gefragt worden, es wird bestimmt - aus Kostengründen. Wir denken: Auch wenn jemand verarmt und vereinsamt stirbt und niemand zu seiner Beerdigung kommt, hat er ein Recht, in Würde bestattet zu werden. Es sollte eine andere Lösung gefunden werden. In anderen Städten gibt es gute Beispiele dafür. Köln z. B. hat inzwischen die Entsorgungspraxis beendet, dort sind erste Grabfelder sogar mit Namen angelegt worden. Natürlich sehen auch wir, dass dringend gespart werden muss. Die Frage ist aber: Um welchen Preis und zu wessen Lasten. Wie gehen wir als Menschen und als Bürger dieser Stadt mit diesen unseren Mitbürgern um? Mit der nun von der Stadt Dorsten angestrebten Vorgehensweise begraben wir die Menschenwürde und die Bestattungskultur in Dorsten. Rainer und Karin Geismann Bestattungshaus Geismann

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