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Ist Gretl nun doch ein tolle Frau?

11.11.2007

Ist Gretl nun doch ein tolle Frau?

<p>Fräulein Mosimann in Aktion. Kopriosek</p>

Dorsten In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung fragte sich neulich eine Kollegin in Anlehnung an ein Zitat Madeleine Albrights, ob sie in die Hölle komme, wenn sie als Frau eine andere Frau kritisiere. Eine ähnliche Frage stellt sich die Verfasserin dieses Artikels nach dem Besuch von Lilly Waldens Komödie "Oh mein Gott - eine Comedy über Fundamentalismus" am Samstagabend in der Aula des Petrinums. Dabei ist die Frage nach der Hölle umso relevanter, handelt es sich bei dem Stück des Theaters Wilde Mischung aus Berlin doch um eine kritische Durchleuchtung der Frauenrolle in den großen Weltreligionen.

Einfaches Gemüt

"Glaube heute" ist das Thema eines Vortrags des Schweizer Religionswissenschaftlers Professor Hurzli. Ihm assistiert seine Sekretärin Fräulein Mosimann, ein Frauenzimmer von recht einfachem Gemüt. Doch gerade die Einfachheit ihrer Gedankengänge entlarvt die Verlogenheiten patriarchalischer Ideologien.

Die Vertreter auf Erden wollen mit göttlichem Segen nur ihren absoluten Wahrheits- und Machtanspruch sichern. Das wird natürlich umso komplizierter, wenn dies alle (männlichen) Vertreter der Weltreligionen für sich beanspruchen. Mit der Absolutheit ist es dann so eine Sache. Also ist alles doch nur Theater?

Eins auf die Mütze

Bei "Oh mein Gott" wird diese Frage zu einem von Frl. Mosimann gespielten Kasperletheater. Die Vertreter von Christentum, Islam, Hinduismus, Judentum und Buddhismus kriegen vom bodenständig denkenden Kasper eins auf die Mütze. Natürlich erst, nachdem sich die asketischen Gelehrten am Apfelkuchen seiner Frau Gretl gütlich getan haben (Apfelkuchen: Sünde, Fall, Verführung, logisch!).

Angesichts der sensiblen Fundamentalismus-Thematik mögen das mutige Ansätze sein. Leider rutschen sie bei "Oh mein Gott" ständig in Schenkelklopferwitze ab. Durchaus fundiertes Wissen über Religion wird, der Pointe wegen, zu Plattitüden abgekürzt. Das von Lilly Walden in ihren Abschlussworten proklamierte freie Denken sieht leider anders aus. Mit "Oh mein Gott" schlägt sich der Feminismus auf weiten Strecken wieder einmal selber ein Schnippchen.

So endet Kaspers Beitrag mit den Worten, Gretl sei doch eine tolle Frau, witzig, intelligent, treu und, klar, super im Bett. Und leckeren Apfelkuchen kann sie scheinbar auch backen. Also alles beim Alten. Die Hölle wartet. EK

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