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Dortmunder in kirchlichem Kinderheim missbraucht

70-Jähriger kämpft um Geld

Jahrelang wurde der Dortmunder Klaus Kolkenbrock in einem kirchlichen Kinderheim missbraucht. Heute ist er 70. Jetzt kämpft der Senior um eine angemessene Entschädigung.

DORTMUND

von Von Stefan Bergmann

, 03.11.2012
Dortmunder in kirchlichem Kinderheim missbraucht

Klaus Kolkenbrock aus Dortmund ist Missbrauchsopfer. Er wurde in den 40er und 50er Jahren in Bottrop in einem Kinderheim der "Schwestern der göttlichen Vorsehung" missbraucht.

Am Abend kam die Ordensschwester. Sie schob die Hand des Jungen unter ihr Gewand. Immer wieder. Tagsüber schlug sie ihn, abends liebkoste sie ihn. Danach konnte er nicht schlafen.

Klaus Kolkenbrocks Ehe zerbrach, seine nächste Partnerin verließ ihn. Seine Kinder: Für sie ist er ein Fremder. „Ich konnte sie nie in den Arm nehmen“, er. Sein Leben, ein Desaster. Er will Geld.  Welche Summe sind lebenslange Qualen, lebenslange Gefühlskälte wert? Nach außen ist Klaus Kolkenbrock ein Mann der Tat. Arbeitete jahrelang als Betriebsleiter bei Shell, würde auch für 50 durchgehen. Er trägt jetzt in Dortmund Medikamente aus. „Die Menschen freuen sich auf mich“, sagt er. Das bisschen Geld, das er verdiene: geschenkt.

 Doch der Mann ist mit sich entzwei. Hatte Frau, Familie, Freundin, und er funktionierte nur. „Meine eigenen Kinder sprachen mir die Fähigkeit zu einer Familie ab“, sagt er. Die Annäherungen der Ordensschwestern, die Schläge, die falsche Liebe, der Sex der Schwestern mit ihm, einen Kind weit vor der Pubertät: Es machte ihn emotional hart, ein „natürliches Verhältnis zu Frauen habe ich nicht“. Sexualität ist schmutzig, abstoßend. Die Liebe, die Kinder so sehr brauchen, bekam er im Bottroper Heim nur gegen Sex und Schläge.  

 Klaus Kolkenbrocks Leidensgeschichte ist anerkannt. Der Orden „Schwestern der göttlichen Vorsehung“ mit Sitz in Münster bat um Vergebung, zahlte 4000 Euro. „4000 Euro, das war ein Schlag in Gesicht“, sagt Kolkenbrock. Der Landschaftsverband bezahlte ihm teure Hörgeräte, weil seine Ohren von den Schlägen auf den Kopf geschädigt wurden.  Kolkenbrock möchte mehr Geld von den Schwestern. Noch einige Tausend Euro. Die wollen ihm jedoch nur eine Therapie bezahlen. „Ich brauche keine Therapie, ich habe mich selbst herausgekämpft“, sagt Kolkenbrock.Vor Gericht ziehen will er nicht mehr. Ihm gehe es um das Eingeständnis der Schwestern, dass sie Schuld sind an seinem schweren Leben.

"  „Diese Taten sind nicht zu entschuldigen“, sagt Schwester Gabriela in Münster. Die Bischofskonferenz müsse nun entscheiden, ob die Schwestern noch mehr Geld bezahlen. Sie wollen es nicht.

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