Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Friedhofskultur im Abseits?

11.11.2007

Friedhofskultur im Abseits?

zzDo/ Hartmut Neumann (Pfarrer)/Dortmunder Kirchen-Vertreter in der RN-Redaktion Foto: Menne Datum: 2. Mai 2001

Momentaufnahme bei einer Bestattung: Nach der Andacht in der Halle setzt sich der Trauerzug in Bewegung. Sechs Träger begleiten den Sarg. Pfarrer, Angehörige, Freunde und Bekannte des Verstorbenen folgen. Ruhe kennzeichnet die Szene. Selbst das Handy klingelt heute ausnahmsweise nicht.

Doch plötzlich Fußtritte, begleitet von deutlich wahrnehmbarer Leistungs-Atmung. Völlig unbeeindruckt von der Situation des Abschiednehmens kreuzt ein Jogger den Leichenzug. Nicht genug damit. Einige Meter weiter ist eine Mitvierzigerin emsig mit Grabpflege beschäftigt. Die Schwarzgewandeten scheinen sie nicht aus dem Takt bringen zu können.

Und - als ob es sie nicht interessierte, dass ein Leichenzug unterwegs ist - unterhalten sich lautstark zwei Friedhofsbesucher, begleitet vom Gekläffe ihrer Hunde.

In der Vergangenheit war es selbstverständlich, auf Friedhöfen Pietät zu zeigen, erst recht angesichts von Beerdigungen, kurz zu verweilen und sich vor dem Sarg zu verneigen. Dazu scheint heutzutage weithin keine Zeit mehr zu bestehen. Oder ist einfach das Feingefühl, die Sensibilität verloren gegangen in einer Phase, in der sich zunehmend Entsorgungsmentalität breit macht und total cool der Anonymität Boden bereitet wird?

Bloß schnell und kostengünstig weg mit den Verstorbenen, die doch eigentlich auch ein Stück eigener Lebensgeschichte darstellen, Respekt und Dank verdienen.

Menschen ohne Angehörige werden selbst hierzulande mittlerweile durch die Kommune anonym beigesetzt, sofern sie nichts anderes schriftlich niedergelegt haben. Ein höchst fragwürdiges Vorgehen, das von Christen ebenso wenig bejaht werden kann wie das Verstreuen von Toten-Asche. Der Mensch behält seine Würde über den Tod hinaus, hat einen konkreten Ort des Trauerns verdient, an dem die Verbundenheit über die Lebensphase hinaus dokumentiert wird.

Mehr Respekt vor Verstorbenen und Trauernden täte gut. Und der beginnt mit einem angemessenen Verhalten auf unseren Friedhöfen.

Hartmut Neumann neumelido@t-on line.de stammt aus Wanne-Eickel, ist seit 1980 Pfarrer der ev. Melanchthon-Gemeinde. Er verfügt über eine journalistische Ausbildung und abgeschlossene Studiengänge, u. a. Kirchenmusik. E-Mail:

Lesen Sie jetzt