Dramatische Fahrt durch die Nacht

Kinothriller "No Turning Back"

Ein Mann am Steuer eines fahrenden Auto – sonst gibt es nicht viel zu sehen. Der Begriff Kammerspiel ist im Film "No Turning Back" schnell bei der Hand. Dabei ist für die fulminante One-Man-Show, die der Schauspieler Tom Hardy („Inception“) unter der traumhaft sicheren Regie von Steven Knight abliefert, die Bezeichnung „Thriller“ eher angebracht. Psychologischer Tiefgang inklusive.

26.06.2014, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ivan Locke (Tom Hardy), Ingenieur und Leiter einer Großbaustelle in London, auf den Weg ins berufliche und private Abseits.

Ivan Locke (Tom Hardy), Ingenieur und Leiter einer Großbaustelle in London, auf den Weg ins berufliche und private Abseits.

Bis zu dem Moment, in dem ihn ein Anruf aus einer Klinik weit außerhalb von London erreicht. Eine ehemalige Kollegin bekommt ihr erstes Kind. Früher als erwartet. Es ist sein Kind. Gezeugt bei einem Seitensprung. Locke hat versprochen, bei der Geburt dabei zu sein. Zumal die werdende Mutter psychisch äußerst labil ist. Locke hält, was er verspricht. Selbst im Bewusstsein, dass er zum Großereignis auf der Baustelle nicht pünktlich zurück sein wird. Ein charakterstarker Sturkopf? Oder ein fahrlässiger Dummkopf? Die Reise durch die Nacht nimmt Fahrt auf. Und die Spannung nimmt stetig zu.

Steven Knight nutzt das Potenzial moderner Kommunikation für ein kinematografisches Husarenstück. Das Fahrzeug wird zur rasenden Telefonzelle. Ein Anruf folgt dem nächsten. Mails gehen ein und aus. Locke organisiert vom Auto aus, spricht mit seinem Chef, seiner Frau, seinen Kindern, der Frau, die in den Wehen liegt, schließlich mit einem Mitarbeiter, der nun seine Aufgaben vor Ort erledigen soll. Das Fundament von Lockes Leben gerät allmählich aus der Balance. Beruflicher und privater Absturz sind programmiert. Keine gesicherte Existenz ohne gesichertes Fundament.

Der Chef schmeißt ihn raus, und bleibt doch auf ihn angewiesen, der überforderte Mitarbeiter flucht, folgt ihm aber aufs Wort, Lockes Ehefrau will die Scheidung, nachdem er ihr alles gebeichtet hat. Doch an Umkehr ist nicht zu denken: No turning back! Ein Film wie ein Hörspiel? Nein, das Gesicht von Tom Hardy spricht sichtlich Bände: Energie, Wille, Anspannung, Verzweiflung, Frust, Wut, Trauer, Ratlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und wieder Hoffnung. Immer nur ein paar Wimpernschläge voneinander entfernt.

Alles andere spielt sich im Kopf des Betrachters ab. Wir stellen uns die riesige Baustelle vor, Lockes trautes Heim, seine verzweifelte Gattin, seine beiden Söhne, die auf ihren Vater warten, eine Frau in den Wehen. Kopfkino im Kino. Grandios!

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