"Dreigroschenoper" als Nummernrevue

Schauspielhaus Bochum

BOCHUM In Zeiten latenter Finanz- und Wirtschaftskrise passt Brechts "Dreigroschenoper" auf jeden Theaterspielplan. Wegen des nie erlahmenden Hitpotenzials ihrer Lieder hat sie immer das Zeug zum Publikumsrenner. Christoph Frick macht es sich im Vertrauen auf den Stoff am Schauspielhaus Bochum allerdings etwas zu einfach.

von Von Max Florian Kühlem

, 09.10.2011, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Komödiantische Qualitäten: Maja Beckmann (Polly) und Nicola Mastroberardino (Mackie).

Komödiantische Qualitäten: Maja Beckmann (Polly) und Nicola Mastroberardino (Mackie).

Fricks erste Arbeit in Bochum, die schräge Klimawandel-Textcollage mit Musik "Oft ist die Natur nicht einmal schön" gehörte vergangene Saison zu den besseren Stücken am Schauspielhaus. Auch seine "Dreigroschenoper" startet viel versprechend: Auf dem nackten Bühnenaufbau aus Podiums-, Rampen- und Drehbühnenelementen spielen das Ensemble und ein ziemlich originalgetreues Salonorchester lustvoll auf.Komödiantische Talente Vor allem Nicola Mastroberardino und Maja Beckmann machen Spaß, indem sie als Mackie und Polly ihre bekannten komödiantischen Qualitäten zu neuer Höchstform treiben. Der verträumt-melancholische Einschlag, den Mastroberardino seinem Mackie verpasst, steht der Rolle außerordentlich gut. Das Regiespiel mit dem Brechtschen Verfremdungseffekt lässt das Geschehen immer wieder gekonnt ins Absurd-Surreale kippen.Inszenierung kippt

Leider kippt die Inszenierung spätestens im zweiten Durchgang in Richtung Brecht-Liederabend mit Nummernrevue. Zugegeben, es sind tolle Nummern dabei: Etwa Raiko Küsters Bettler-Performance, die von Weird Al Yankovics Parodie auf Dylans "Subterranean Homesick Blues"-Video gelernt hat.Kein denkwürdiger Abend

Kein Motiv wird durchgehalten, keine zündende Idee für das große Ganze präsentiert. Warum sehen die Musiker aus wie eine 70er Jahre Tanzband? Wieso verwandelt sich der Londoner Polizeichef Brown in einen Army-Instructor? Die Aufführung reicht für Szenenapplaus bei den einschlägigen Balladen und Zitaten ("Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"), aber nicht für einen denkwürdigen Abend.

Termine: 16. und 22. Oktober; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55. www.schauspielhausbochum.de

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