Drohungen gegen Familie und Kinder: Bürgermeister von Kerpen wirft hin

Dieter Spürck (CDU)

Weil seine Familie akut bedroht wird, will der Bürgermeister von Kerpen, Dieter Spürck, nicht mehr antreten. Eine Nachricht im Briefkasten nahm seine Kinder ins Visier.

Kerpen

, 23.01.2020, 13:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Kerpen wird der Bürgermeister bedroht. Daher will Dieter Spürck (CDU) nicht mehr kandidieren.

In Kerpen wird der Bürgermeister bedroht. Daher will Dieter Spürck (CDU) nicht mehr kandidieren. © dpa

Ein weiterer Bürgermeister aus Nordrhein-Westfalen hat wegen akuter Bedrohungen erklärt, sein Amt nicht mehr ausüben zu wollen. Dieter Spürck (53) sagte in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger (KStA+), dass er nicht mehr als Bürgermeister von Kerpen antreten wolle. Seit 2015 ist der 53-Jährige im Amt.

Grund für den angekündigten Rückzug sind offenbar Drohungen, die sich auch gegen seine Familie und seine Kinder richten. Im Hinblick auf die Flüchtlingspolitik habe es geheißen, wenn einem Kind in Kerpen etwas geschehe, würde es seinen Kindern ebenfalls so gehen.

Aber auch aus der anderen politischen Ecke gab es offenbar Drohungen, so etwa von Umweltaktivisten, die von ihm ein stärkeres Eintreten für den Hambacher Forst forderten. Ansonsten bekämen es seine Kinder zu spüren. Diese Nachricht fand Spürck jüngst in seinem Briefkasten.

Verzicht auf die Kandidatur fällt Spürck schwer

„Ich hätte große Lust gehabt, noch einmal zu kandidieren“, sagte Spürck dem Kölner Stadtanzeiger. Er fühle sich körperlich und mental topfit, habe sich aber gefragt: “Was mute ich eigentlich meiner Familie zu?“ Der Abschied werde ihm schwerfallen. Doch Politik sei ein „sehr dreckiges Geschäft“ geworden. So habe er beispielsweise auch wiederholt Schrammen an seinem Auto gefunden.

Erst Mitte Januar hatte ein Antrag von Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt (SPD) bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Kommunalpolitiker wollte einen großen Waffenschein, also die Erlaubnis, eine scharfe Waffe tragen zu dürfen. Die Klage vor dem Verwaltungsgericht hatte Landscheidt zurückgenommen, als ihm das NRW-Innenministerium Personenschutz gewährte.

Landscheidt, der früher selbst Richter war, wollte mit der Waffe sich und seine Familie schützen, da er massiv aus der rechten Szene bedroht wird.

Bedrohungen und Angriffe auf Kommunalpolitiker aus NRW sind keine Einzelfälle

  • 2019 wurde Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) im Landkreis Kassel offenbar von einem Täter aus der rechtsextremen Szene erschossen.

  • 2017 gab es eine Messer-Attacke auf Andreas Hollstein (CDU), Bürgermeister von Altena im Sauerland. Hollstein wurde dabei leicht verletzt. Der Täter war mit der Flüchtlingspolitik der Stadt nicht einverstanden. Andreas Hollstein kandidiert 2020 für das Oberbürgermeisteramt in Dortmund.
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  • 2016 trat der SPD-Vorsitzende in Bocholt, Thomas Purwin, zurück. Im Interview mit der Rheinischen Post erklärte er, er habe bis zu 15 Hassnachrichten am Tag bekommen. Hauptthema der bösartigen E-Mails und Nachrichten war die Flüchtlingspolitik. Die Drohungen richteten sich in Bocholt auch gegen andere Politiker.

  • 2015 wurde Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, durch einen Messerangriff lebensgefährlich verletzt. Der Täter wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt, auch er kam aus der rechten Szene.

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