"Eh Joe": Schweigen in der privaten Folterkammer

Theater Marl

Michael „Dumbledore“ Gambon mimt im Theater Marl eine Leidensgestalt aus Samuel Becketts „Ey Joe“. Die Figur brach Herzen und trieb sogar eine Frau in den Tod. Gambon hat keinen Text, sein Gesicht spricht dafür Bände.

MARL

, 07.05.2014, 15:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Michael Gambon in Eh Joe

Michael Gambon in Eh Joe

Termine: 8., 9., 10. 5.; Karten: Tel. (02361) 9 21 80.

Michael „Dumbledore“ Gambon mimt im Theater Marl diese Leidensgestalt aus der Feder von Samuel Beckett, der „Ey Joe“ fürs Fernsehen schrieb. Gambon hat keinen Text, sein Gesicht spricht Bände. Es gleicht einer Seelen-Landschaft, zerfurcht, gemartert, per Live-Video groß auf Gaze projiziert. Was dort an Schmerz, Reue, Bitterkeit zu sehen ist, bis die Tränen sich ihren Weg bahnen, geht unter die Haut.

Ein Fest für Schauspieler, das das Gate Theatre aus Dublin bei den Ruhrfestspielen präsentiert.Atom Egoyan und Colm O Briain (Regie) bringen, in Englisch, zwei Beckett-Miniaturen auf die Bühne des Marler Theaters: „Eh Joe“ und „I’ll Go On“, letztere die Essenz dreier Beckett-Romane.

Der großartige Barry McGovern galoppiert bei „I’ll Go On“ durch einen Redeschwall, der Rhythmus, Vorwärtsdrang, die herbe Schönheit, den grimmigen Witz bester Slam Poetry besitzt. Beckett variiert hier sein großes Thema vom Menschen, der in ein sinnloses, grausames Dasein geworfen ist und sich das Warten auf den Tod mit Rabulistik und Gegrübel vertreibt. Zur Not tüftelt er an einem Taschenspiel für gelutschte Kieselsteine. McGovern spielt einen traurigen Clown, der sein Elend mit Sarkasmus und Ironie in Schach hält. Das ist so witzig wie deprimierend und ganz große Kunst!

Termine: 8., 9., 10. 5.; Karten: Tel. (02361) 9 21 80.