Ehefrau erstochen: Dreijährige Tochter war im Nebenzimmer

Landgericht Hagen

Die Polizei findet in einer Hagener Wohnung eine fürchterlich zugerichtete Frauenleiche. Der Täter war der Ehemann. Seit Montag steht er vor Gericht.

Hagen

, 15.12.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Angeklagte sitzt im Gericht neben seinem Verteidiger Philippos Botsari.

Der Angeklagte sitzt im Gericht neben seinem Verteidiger Philippos Botsari. © wvb

Die kleine Chiara war drei, als ihre Mutter erstochen wurde. Der Täter war ihr Vater. Er hatte sie kurz zuvor ins Kinderzimmer gesperrt und den Fernseher auf volle Lautstärke gestellt. Seit Montag beschäftig das grausame Familiendrama das Hagener Schwurgericht.

„Jeder Stich war ein todbringender Stich“

„Ich habe die Kontrolle verloren“, sagte der Angeklagte zum Prozessauftakt. Er habe immer wieder zugestochen, auch als seine Frau schon am Boden lag „Ich wollte nicht, dass sie sich quält.“ Sie habe keinerlei Chance gehabt, den Angriff zu überleben. „Jeder Stich war ein todbringender Stich.“

49 Stich- und Schnittverletzungen hatten die Ärzte später gezählt – 15 davon an Hals und Gesicht.

Ein anderer Mann in ihrem Herzen

Nach der Bluttat war der 25-jährige Serbe mit seiner Tochter zu einer Freundin geflüchtet, wo er sechs Tage später festgenommen wurde. Die inzwischen Vierjährige lebt seitdem in einer Pflegefamilie.

Es war der 9. Juni 2020. Es hatte Streit gegeben – wieder einmal. Die 38-Jährige, die noch zwei weitere Kinder hat, wollte die Beziehung nach sechsjähriger Ehe beenden. „Sie hat mir gesagt, dass ein anderer Mann den Platz in ihrem Herz eingenommen hat“, so der Angeklagte im Prozess. Gleich mehrfach habe sie ihn in der Vergangenheit betrogen.

„Sie hat gesagt, ich solle das Kind vergessen“

Das hätte er ihr nach eigenen Angaben aber sogar verziehen. Doch auch das habe sie nicht hören wollen. Als sie sich dann auch noch geweigert habe, ihm die gemeinsame Tochter zu überlassen, sei die Situation eskaliert. „Sie hat mir gesagt, ich solle nach Serbien gehen und das Kind vergessen.“ Bevor sie ihm Chiara geben würde, würde das Mädchen lieber in ein Heim bringen.

In diesem Moment hätte er Wut und Angst empfunden, ein Messer genommen und zugestochen. Gegenwehr gab es nicht. „Sie stand einfach nur da und hat nichts gesagt.“

Seit Jahren llegal in Deutschland

Die Polizei hatte den illegal in Deutschland lebenden Angeklagten, der sich nach eigenen Angaben durch Kreditbetrügereien finanzierte, bereits im April 2020 festgenommen. Er sollte nach Serbien ausgeliefert werden, wo er 2018 in Abwesenheit wegen Menschenhandels zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war.

Weil aber offenbar Unterlagen aus seiner Heimat fehlten, musste er Anfang Juni wieder aus der Auslieferungshaft entlassen werden. Als man ihn sieben Tage später erneut festnehmen wollte, war seine Frau tot. Die Beamten hatten die Leiche durch Zufall in seiner Hagener Wohnung entdeckt – versteckt unter einer Decke.

Auch Mord kommt in Betracht

Das Paar hatte sich 2014 in Hagen kennengelernt. Kurze Zeit später wurde in Serbien geheiratet. Die Frau hatte noch zwei andere Kinder aus einer früheren Beziehung, die jedoch schon damals in einem Kinderheim lebten.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Totschlag. Die Richter am Hagener Schwurgericht haben aber schon den Hinweis erteilt, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommt. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Mitte Februar zu rechnen.

wvb

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