Was Sie über den gefährlichen Eichenprozessionsspinner wissen müssen

mlzRaupen mit Brennhaaren

Die Brennhaare der Raupe des Eichenprozessionsspinners können gefährlich werden. Es gibt Fakten, die man wissen sollte - so bleibt etwa die Gefahr auch nach Verschwinden der Raupen.

Dortmund

, 14.06.2019, 15:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Eichenprozessionsspinner aufgeschrieben.

? Wie erkenne ich einen Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein wenig auffälliger Falter. Der Falter selbst ist nicht das größte Problem, gefährlich ist seine Raupe. Die Raupen durchlaufen bis zu ihrer Verpuppung sechs Larvenstadien. Die Raupen sind stark behaart, anfangs gelblich-braun, später bläulich-schwarz.

? Wie groß sind Eichenprozessionsspinner?

Die Raupen werden bis zu vier Zentimeter lang. Ab dem 5. Larvenstadium legen die in Gruppen auftretenden Raupen Gespinstnester am Stamm und in Astgabeln an, die sie in langen Prozessionen verlassen, um sich an den Blättern des Baumes satt zu fressen - daher kommt auch der Name.

? Warum sind die Raupen so gefährlich?

Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen des Eichenprozessionsspinners sogenannte Brennhaare. Und die haben es in sich.

? Sind Eichenprozessionsspinner giftig?

Ja. Die Brennhaare der Raupe enthalten das Nesselgift „Thaumetopein“, das eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auslöst.

? Welche gesundheitlichen Gefahren drohen beim Kontakt mit einer Raupe?

Die Brennhaare der Raupe könne eine allergische Reaktion auslösen. Unangenehmer Juckreiz, Hautenzündungen, Schwellungen wie bei einem Insektenstich können ebenso die Folge sein wie Augenreizungen und Bindehautenzündungen. Werden Brennhaare eingeatmet, kann das zu einer Reizung der oberen Atemwege führen. Bei Menschen, die auch sonst Probleme mit Allergien haben, kann ein Kontakt auch zu Atemnot führen. Bronchitis, schmerzhafter Husten und Asthma können die Folge sein.

Was Sie über den gefährlichen Eichenprozessionsspinner wissen müssen

Ein typisches Nest mit Raupen des Eichen-Prozessionsspinners. © picture alliance/dpa

? Was kann ich tun, wenn ich Kontakt mit einem Eichenprozessionsspinner hatte?

Bei leichteren Beschwerden, so empfehlen Ärzte, kann man Lotionen oder Gele, die man auch zur Behandlung von Insektenstichen nutzt, auf gereizte Hautstellen auftragen. Bei stärkeren Beschwerden sollte man einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollte die getragene Kleidung gewechselt und gewaschen werden. Dabei sollte man vorher mit einer Bürste vorhandene Brennhaare von der Kleidung bürsten, denn: Die Raupenhaare haben Widerhaken und krallen sich in der Kleidung fest.

? Wo taucht der Eichenprozessionsspinner auf?

Wie der Name sagt, besiedelt er in erster Linie Eichen. Die Raupen fressen die Blätter des Baumes. Aber auch andere Baumarten wie Birken, Buchen oder Robinien können befallen sein.

? Besteht die Gefahr nur direkt an und unter diesen Bäumen?

Leider nein. Die Brennhaare der Raupe brechen leicht ab und können sich durch die Luft mit dem Wind über weite Strecken verbreiten. Die Brennhaare sind extrem widerstandsfähig. Sie können auch im Unterholz, am Boden, an Schuhen oder Kleidung noch lange Zeit gefährlich sein.

? Sind Eichenprozessionsspinner auch für Hunde gefährlich?

Ja, das Gift in den Brennhaaren der Raupen kann auch für Hunde gefährlich sein. Es gibt Berichte, wonach etwa Hunden, deren Zunge mit Brennhaaren in Kontakt kam, ein Teil der Zunge amputiert werden musste.


? Wann ist die gefährlichste Zeit?

Je nach Witterung schlüpfen ab Anfang/ Mitte April aus den Eiern des Eichenprozessionsspinners die Raupen. Ab dann bis zum Schlüpfen des fertigen Falters im Juni/ Juli wird es besonders gefährlich, weil dann die Raupen mit ihren Brennhaaren unterwegs sind.

? Und dann ist die Gefahr vorbei?

Definitiv nein. Auch wenn die Falter geschlüpft sind, bleiben die Gespinstnester mit Häutungsresten und Raupenkot erhalten. Sie enthalten weiter die giftigen Brennhaare. In befallenen Gebieten besteht daher noch über Jahre hinweg bei Kontakt die Gefahr einer allergischen Reaktion. Außerdem beginnt ab Juli die nächste Generation der Eichenprozessionsspinner. Dann legen die Weibchen jeweils rund 150 Eier in die Eichen. Noch im Herbst entwickeln sich daraus Jungraupen, die bis zum Frühjahr überwintern.

? Gab es Eichenprozessionsspinner früher auch schon?

Ja, aber nicht bei uns. Ursprünglich waren sie eher in Mittel-, Süd- und Südosteuropa in warmen und trockenen Regionen verbreitet. Erst seit Mitte der 1990er Jahre treten sie mit den höheren Temperaturen verstärkt auch in Deutschland auf.

? Wo kann ich noch mehr erfahren?

Beim Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, dem Julius-Kühn-Institut in Braunschweig. Von dort stammen auch zentrale Informationen für diesen Text.

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