"Ein Genre, das junge Leute auffrisst"

ESSEN Im Scheinwerferlicht wirbeln sie zu Musical-Melodien über die Bühne. Sechs Körper, sechs Stimmen: "You can't stop the beat!" Vorhang, Verbeugung. Einsam verhallt ein Klatschen über leeren Zuschauerrängen. Dann flammt das Licht auf.

18.01.2008, 16:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Absolventen der Musical-Klasse der Folkwang Hochschule zeigen heute ihr Können - und hoffen auf Angebote.

Absolventen der Musical-Klasse der Folkwang Hochschule zeigen heute ihr Können - und hoffen auf Angebote.

"Kurze Kritik-Runde!" ruft Regisseur Gil Mehmert in Richtung Bühne. Am heutigen Samstag werden in der Neuen Aula der Essener Folkwang Hochschule zahlreiche Intendanten Platz nehmen. Zusammen mit den Absolventen vier weiterer Universitäten in Berlin, München, Leipzig und Wien zeigen die Musical-Schüler Anaïs, Markus, Nicole, Krisha, Tim und Sabine dann ihr Können.

Es ist auch nur ein Job

Vier Jahre lang haben sie auf diesen Augenblick hingearbeitet, haben sich einen der wenigen Plätze an der Folkwang Hochschule erkämpft. Anaïs Lueken hat es auf Anhieb gepackt. Trotzdem kamen ihr anfangs Zweifel. "Es sind richtig gute Leute um einen herum, und auf einmal fühlt man sich so unfähig", sagt sie. Heute weiß sie: "Man muss lernen, zu relativieren. Das ist auch nur ein Job." Ein Job, der wenig Raum lässt für Freundschaften, Hobbys, Privates. "Man lebt dafür, und man lebt davon, und man lebt darin", sagt Studiengangsbeauftragte Patricia Martin. "Sie müssen auch lernen, mit der Belastung umzugehen", sagt Regisseur Gil Mehmert. "Zu funktionieren." Deshalb geht er mit den Absolventen hart ins Gericht. Das Liebes-Duett zu emotionslos. Die Schrittfolgen zu wenig spannungsgeladen. "Das kann meine Oma auch - und die ist tot."

Auch grundsätzlich warnt der Regisseur: "Das ist ein Genre, das junge Leute braucht, das junge Leute auffrisst." Es kann früh Schluss sein mit der Karriere, wenn die Knochen streiken. "Heut' bist Du top, schon morgen flop", heißt es in einem der Songs.

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