Ein Leben für die Handtasche: Luxus-Marke Hermès plant riesige Krokodilfarm

Mode

Das französische Modehaus Hermès plant in Australien eine der größten Krokodilfarmen des Landes. Hier sollen bis zu 50.000 Tiere für die Weiterverarbeitung zu Modeartikeln gezüchtet werden.

von Barbara Barkhausen

, 21.11.2020, 10:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Drei Salzwasserkrokodile müssen für eine Handtasche sterben.

Drei Salzwasserkrokodile müssen für eine Handtasche sterben. © picture alliance / dpa

Die Krokotasche – gleichermaßen gehasst und geliebt – scheint weltweit immer noch ein begehrtes Accessoire zu sein. Deshalb will das französische Modehaus Hermès mehr Krokodile für seine Luxushandtaschen und -schuhe züchten. Im Northern Territory – im tropischen Norden Australiens, wo die Salzwasserkrokodile auch in der Wildnis vorkommen – soll die bisher größte Krokodilfarm Australiens entstehen.

Denn so gefürchtet die Tiere bei der Bevölkerung sind, so begehrt ist ihr Leder bei der High Society. Eine der berühmten Hermès-Handtaschen kostet stolze 10.000 Euro.

Salzwasserkrokodile eignen sich gut, weil viele Schuppen auf dem Bauch tragen

Hermès und auch Konkurrent Louis Vuitton kontrollieren laut eines Berichts des australischen Senders ABC schon heute den Großteil der Krokodilfarmen im Norden des Landes. Die Luxushersteller bevorzugen offenbar australische Salzwasserkrokodile, weil sie mehr Schuppen auf dem Bauch tragen als andere Arten.

Die Nachfrage scheint so groß, dass die Firma PRI Farming, hinter der mehr oder weniger Hermès steht, nun die bisher größte Krokodilfarm der Region bauen will. Die neue Ranch soll bis zu 5. 000 Salzwasserkrokodile beherbergen können. Geplant sind unter anderem ein Brutlabor für Krokodileier, Ställe, offene Farmbereiche, aber auch Areale für die Verarbeitung und Lagerung von Futter.

Laut Geoff McClure, einem Berater für Krokodilzucht, hat der erste Kauf einer Krokodilfarm durch Hermès vor etwa zehn Jahren einen Dominoeffekt ausgelöst. Danach habe sich auch Louis Vuitton eingekauft, aus “Sorge, dass Hermès den gesamten australischen Markt besetzt”, sagte der Experte dem australischen Sender. In Australien gibt es noch 13 Krokodilfarmen, 6 davon gehören Hermès und Louis Vuitton.

Krokodileier werden in der Wildnis "geerntet"

Die Modehersteller würden Krokodileier aus der Wildnis „ernten“ und die Krokodile dann in ihren Farmen nach eigenen Standards züchten. Dieser sei „unglaublich hoch“, denn die Haut dürfe auf keinen Fall beschädigt werden. Das Salzwasserkrokodil in Australien, auch als Leistenkrokodil oder „Saltie“ bezeichnet, ist das weltweit größte Krokodil.

Die Tiere sind in Australien seit den 1970er-Jahren geschützt. Seitdem dürfen sie nicht mehr gejagt werden und ihre einst schwer dezimierte Population hat sich wieder erholt.

Für eine Tasche müssen drei Tiere sterben

Für eine Tasche von Hermès oder Louis Vuitton müssen bis zu drei der Riesenkrokodile ihr Leben lassen, denn die Gerbereien verarbeiten nur die besten Stücke der Bauchhaut. Schon ein einziger Biss eines Artgenossen kann die Haut wertlos machen. Die Reptilien sind Fleischfresser. Ausgewachsene Exemplare haben kaum natürliche Feinde und gehören zweifelsohne zu den gefährlichsten Tieren Australiens.

Die Pläne für die neue Megafarm werden laut eines Berichts des „Guardian” von Tierschutzgruppen scharf kritisiert. Sie argumentieren, dass andere Modemarken wie Chanel, Mulberry, Calvin Klein oder Tommy Hilfiger aus Tierschutzgründen auf exotische Tierhäute verzichten würden. Laut Jed Goodfellow vom australischen Tierschutzverband RSPCA Australia würden Krokodile in Farmen leiden: So könnten sie sich durch enge Ställe oder beim Fang verletzen.

Goodfellow kritisierte zudem die Schlachtmethoden und sagte, dass Australiens Bestimmungen zur Züchtung von Krokodilen dringend überholt werden müssten. Hermès hingegen betont auf seiner Website, dass es sehr strenge Standards im Tierschutz verfolge und auch seine Partner dazu verpflichte.

Modehäuser würden oft zu Unrecht „gnadenlos angegriffen“

Grahame Webb, der die Krokodilspezialeinheit der Weltnaturschutzunion IUCN leitet, sieht die Krokodilzucht dagegen positiv, wie er dem „Guardian” sagte. So finanziere diese beispielsweise Umweltschutzmaßnahmen in der Region. Webb ist der Meinung, Modehäuser würden von Tierschützern oft „gnadenlos angegriffen“, dabei hätten die Unternehmen eine „gute Geschichte zu erzählen“.

Die Firmen würden immer mehr Kontrolle über ihre Lieferkette erlangen, um höchste Standards garantieren zu können. Und: „Australien hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf für sein Krokodilmanagementprogramm.“” Auch die Ernte von Eiern aus der Wildpopulation sei nachhaltig, meinte er.

Zumindest ist es ein lukratives Geschäft: Handtaschen aus Krokodilleder können für das 30-fache ihrer Gegenstücke aus Rindsleder verkauft werden.

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