Einfach quer durchs Land fahren: Neuer NRW-Tarif soll lange Fahrten einfacher machen

Verkehr

Wer lange Strecken mit dem ÖPNV zurücklegt, kommt durch verschiedene Tarifzonen. Ein neuer Tarif soll über die Grenzen hinweg gelten - und nur die tatsächliche Strecke berechnen. Ein Überblick.

Düsseldorf

02.12.2020, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Bus- und Bahnfahren über die Grenzen der regionalen Verkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen hinweg soll mit einem einheitlichen elektronischen Tarif ab Ende des kommenden Jahres einfacher sein.

Das Bus- und Bahnfahren über die Grenzen der regionalen Verkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen hinweg soll mit einem einheitlichen elektronischen Tarif ab Ende des kommenden Jahres einfacher sein. © picture alliance/dpa/VRS

Das Bus- und Bahnfahren über die Grenzen der regionalen Verkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen hinweg soll mit einem einheitlichen elektronischen Tarif ab Ende des kommenden Jahres einfacher sein. Der Aachener Verkehrsverbund, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, der Verkehrsverbund Rhein-Sieg, die WestfalenTarif GmbH, der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und das Land haben sich auf einen „eTarif NRW“ verständigt.

Das neue Angebot soll anfangs vor allem mehr Gelegenheitsfahrer in die Busse und Bahnen bringen, die bisher umständlich nach einem Anschluss-Ticket für die Weiterfahrt im Bereich des jeweils anderen Verkehrsverbundes suchen müssen. Der Nutzer löse das Ticket mit seinem Smartphone beim Einsteigen. Berechnet werde der Preis nach dem Aussteigen mit einem Grundpreis und den Luftlinienkilometern zwischen Start und Ziel. Preisobergrenze sollen 30 Euro in 24 Stunden sein. Alle Fragen und Antworten zu dem geplanten Tarif:

Wer beteiligt sich an dem Projekt?

Mit dem Aachener Verkehrsverbund, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, der Verkehrsverbund Rhein-Sieg, die WestfalenTarif GmbH und dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe sind alle Verbünde dabei. Das Land fördert dieses Projekt mit 100 Millionen Euro bis 2031, wie NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Mittwoch bekanntgab.

Welche Vorteile habe ich dadurch?

Bisher erfordert die Fahrt in einen anderen Tarifverbund Kenntnisse über die einzelnen Tarife, über Anschluss-Tickets oder aber auch die Kategorie, in der man den richtigen Fahrschein im Automatenmenü findet. Das ist künftig bei längeren Fahrten alles nicht mehr nötig. Man zahlt nur für die tatsächlich gefahrene Strecke. Außerdem haben dann Hin- und Rückfahrten mit dem neuen Tarif immer denselben Preis. Preisobergrenze sind in der Einführungsphase 30 Euro in 24 Stunden.

Wie löse ich das Ticket?

Ganz einfach beim Einsteigen mit dem Smartphone in der App. Eine dann startende Laufzeit soll dem Nutzer signalisieren, dass sein Ticket jetzt gebucht ist und eine Zählung bis hin zum Ziel erfolgt. Beim Aussteigen kann der Nutzer wieder seine Fahrt selbst mit einem Fingerdruck beenden. Das soll aber auch automatisiert funktionieren.

Ist das System sicher?

Die Verkehrsverbünde verweisen darauf, dass sie ihre Systeme schützen, ständig verbessern und den Datenschutz beachten. Ausgangspunkt für Angebote wie den eTarif ist nach Angaben der Unternehmen ein bundesweiter Standard. Schwarzfahrer hätten dabei keine besseren Chancen, denn die laufende Uhr zeigt, wann das Ticket gelöst wurde.

Gibt es bereits Erfahrungen?

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) mit Sitz in Köln hat seit dem Frühsommer 2019 nach eigenen Angaben gute Erfahrungen mit seinem eTarif gemacht. Das Modell funktioniert hier innerhalb des Verbundes, der fünf Tarifzonen umfasst. In dieser Woche wird der 10.000. Testkunde begrüßt. Rund 220.000 Fahrten wurden schon gebucht und abgerechnet.

Fallen andere günstige Tickets weg?

Nein. Der neue Tarif ersetzt keine bestehenden regionalen. In Unternehmen gibt es Überlegungen, den eTarif später zu erweitern: So könnten Fahrgäste, die sonst nur in der Stadt fahren, möglicherweise einen Hinweis per App bei der Weiterfahrt bekommen und einchecken.

Warum dauert der Start noch ein Jahr?

Die Preise müssen die einzelnen Verbünde noch kalkulieren. So können beispielsweise VRS und VRR noch nicht sagen, was eine Fahrt zwischen Köln und Düsseldorf mit dem neuen Tarif kosten wird. Es müssen noch Apps entwickelt und technische Voraussetzungen geschaffen werden.

dpa