Einfach "wunderscheen"

DORTMUND Das war einfach "wunderscheen". Mit dem Musical-Klassiker "My fair lady" hat das Dortmunder Theater am Samstagabend die Spielzeit eröffnet.

von Von Julia Gaß

, 02.09.2007, 17:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Henry Higgins (Jürgen Uter) lehrt das Blumenmädchen Eliza (Martina Schilling), wie man spricht.

Henry Higgins (Jürgen Uter) lehrt das Blumenmädchen Eliza (Martina Schilling), wie man spricht.

Flott, witzig, musikalisch und schauspielerisch vortrefflich und mit vielen optisch zündenden Ideen wie einem Feuerwerk in der Ballszene angereichert, hat Michael Jurgons Loewes Stück auf die Bühne gebracht. – Und in der Barszene wird auch eine der Lounge-Bars aus dem modernen Foyer zum Bühnenbild.

Gleich drei Publikums-Lieblinge

Drei Publikumslieblinge, eine Inszenierung, die mit viel Tempo einsteigt, ein spielfreudiger Opernchor und glänzend aufgelegte Dortmunder Philharmoniker (Leitung: Ralf Lange) machen das Musical zum Vergnügen. Mit einem Steg vor dem Orchestergraben holt Jurgons die Geschichte nah ans Publikum heran und nutzt die große Bühne mit Versatzteilen geschickt, um Berliner Straßenleben, Higgins‘ Sprachlabor und die feine Gesellschaft mit prächtiger Hutparade in Ascot zu zeigen (Bühne: Vinzenz Gertler).

Andreas Becker glänzt als Doolitte

Andreas Becker brilliert als Doolittle in einer seiner Paraderollen, mit der er schon vor 20 Jahren geglänzt hat. Als Bilderbuch-Komödiant mit unglaublicher Bühnenpräsenz berlinert er sich durch die Rolle. Helga Uthmann ist – ebenfalls wie vor 20 Jahren – Mrs. Higgins, die Mutter des Sprach-Professors, dem sie mit ihrer großen Ausstrahlung etwas die Schau stehlen darf. Und als Wirtin in der Bar ein großartiges Original à la Tana Schanzara.

Eine Eliza mit viel Charme

Jürgen Uter zeigt den Higgins vielschichtig: als Muttersöhnchen und skrupellosen Wissenschaftler, der sich das Blumenmädchen nach seinem Gusto formt. – Man hätte dem Bühnen-Allrounder Uter ruhig mehr als Sprechgesang abverlangen können. Als Eliza stellte sich die neue Sopranistin Martina Schilling vor. Eine kleine Stimme hat die Sängerin, sie tanzt auch noch etwas schüchtern, dafür füllte sie die Rolle mit Charme und zeigte die Verwandlung von einer kessen Berliner Göre in eine Dame glaubwürdig. Jurgons Inszenierung bietet nicht nur beste Unterhaltung. Sie lotet auch die Tiefe aus, die das Musical hat. Das Schlussbild mit dem einsamen Higgins und seiner Eliza auf leerer Bühne wird in Erinnerung bleiben – ebenso wie die turbulenten Szenen. Karten: (0231) 50-272 22.