Einsam am Nordpolarkreis: Auch der Weihnachtsmann leidet unter Corona

Weihnachten in der Pandemie

Nahe des lappländischen Ortes Rovaniemi am Nordpolarkreis wohnt der Weihnachtsmann in seinem Weihnachtsdorf. Doch auch die beliebte Touristenattraktion leidet unter der Corona-Pandemie.

Rovaniemi

16.12.2020, 08:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch der Weihnachtsmann muss dieses Jahr auf de Pandemie achten. (Symbolbild)

Auch der Weihnachtsmann muss dieses Jahr auf de Pandemie achten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Im nordfinnischen Lappland liegt Schnee, es ist kalt und die Sonne geht spät auf und früh unter. Wer das rund acht Kilometer außerhalb der lappländischen Hauptstadt Rovaniemi am Polarzirkel mitten im Tannenwald liegende Weihnachtsdorf erreicht, wird von weihnachtlichen warm leuchtenden Lichtspielen beglückt. Denn genau hier wohnt ganz offiziell der Weihnachtsmann mit seinen Helfern und Elfen. Weiße Rentiere mit hölzernen Geschenkewagen, wie man sie aus Hollywoodweihnachtsfilmen kennt, stehen im Schnee. Weihnachtsmusik kommt von überall her aus Lautsprechern.

Beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt

Doch wo sich normalerweise Touristen drängen, ist es nahezu leer. Das Weihnachtsdorf mit dem Weihnachtsmann ist eigentlich die große Attraktion in der Umgebung. Rund 500.000 Touristen waren alleine 2019 hier. Wegen des für gewöhnlich riesigen Menschenansturms hat das sonst dünn besiedelte Lappland gleich sieben Flugzeuglandebahnen auf dem Flughafen. Alleine im Dezember zur Weihnachtszeit verbringen für gewöhnlich 60.000 Besucher ihre Zeit nahe des Weihnachtsdorfs in den Hotels.

Aus der ganzen Welt, aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland über Australien bis China, kommen Touristen normalerweise, um Santa Claus endlich einmal persönlich kennenzulernen. Zusätzlich ist das Nordlicht zu bewundern, es gibt Schneemobilsafaris und Rentierschlittenfahrten.

90 Prozent weniger Besucher wegen Corona

Doch wegen der Corona-Pandemie sind im Dezember rund 90 Prozent seiner Besucher weggeblieben. „Die Anzahl ausländischer Reisender war riesig in den letzten Jahren. Aber Corona und die vielen Reisebeschränkungen unter anderem bei uns in Finnland haben zu einem gewaltigen Besuchereinbruch geführt“, sagt Sanna Kärkkäinen von der Stadt Rovaniemi. „Wir rechnen mit 200 Millionen Euro Verlust, was schrecklich viel Geld ist für eine so kleine Stadt wie unsere mit 63.000 Einwohnern. Es wird wohl auch hier in diesem sonderbaren Jahr ein ganz anderes Weihnachten“, fügt sie nachdenklich hinzu.

Normalerweise sitzt Santa dieser Tage vor einer riesigen Schlange aus Kindern, die ihre Wunschzettel abgeben und einen Plausch halten wollten. Doch nun ist alles anders. Der Weihnachtsmann sitzt viel allein herum – in seinem hübschen, teils steinernen und hölzernen Kämmerlein vor einer Weltkarte und denkt über die Pandemie nach. „Dieses Jahr war ziemlich außergewöhnlich und es scheint, dass wir noch einige Zeit mit der Pandemie leben müssen. Und deshalb könnte Weihnachten zu keinem besseren Zeitpunkt kommen“, sagt der Weihnachtsmann zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Doch für die Helfer des Weihnachtsmannes und die Angestellten der gesamten Wirtschaft der Region sind die Zeiten hart. Viele der rund 50 Geschäfte, Hotels und Restaurants und auch das Weihnachtsdorf mussten Personal für diese Saison entlassen.

Der Weihnachtsmann sitzt hinter Plexiglas

Für die wenigen, zumeist finnischen Besucher, ist vieles anders. Nimmt der Weihnachtsmann – die Finnen nennen ihn Joulupukki – die aufgeregten kleinen Kinder sonst auf den Schoß, um zu fragen, ob sie denn auch brav waren, muss der Mann mit dem großen weißen Rauschebart in diesem Jahr Abstand halten. Eine durchsichtige Plexiglasscheibe wurde errichtet, damit er sich nicht vor dem großen Fest mit Covid ansteckt. Immerhin bleibt Santa so die Gesichtsmaske erspart. Man sieht so zumindest auch sein Lachen.

Für das Bravsein hat sich der Weihnachtsmann für dieses traurige Jahr etwas Neues einfallen lassen. Statt Fleiß belohnt er vor allem Kinder, die sich an alle Regeln und Empfehlungen gehalten haben, die eine Ausbreitung der Pandemie verhindern. Häufiges Händewaschen, Abstand zu anderen halten und niemanden anhusten zählt mehr als Hausaufgaben machen. Ausnahmsweise. Für dieses Jahr.

Das Weihnachtsdorf und die vielen Geschäfte und Restaurants hoffen darauf, dass der erhoffte Impfstoff das kommende Weihnachten wieder freudiger werden lässt – fast wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.