"Endstation Sehnsucht" im Ruhrgebiets-Sound

Theater Oberhausen

OBERHAUSEN Am Theater Oberhausen feierte das Südstaatendrama "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams Premiere. Ein packender und in sich stimmiger Theaterabend. Jedoch ein langer Theaterabend.

von Von Klaus Stübler

, 09.10.2009, 17:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stanley (Björn Gabriel) hat Blanche (Elisabeth Kopp) in seiner Gewalt.

Stanley (Björn Gabriel) hat Blanche (Elisabeth Kopp) in seiner Gewalt.

Elia Kazans klassische Verfilmung von 1951 kam mit 125 Minuten aus. Am Theater Oberhausen braucht Hausherr Peter Carp jetzt (die Pause abgerechnet) fast eine halbe Stunde länger, um "Endstation Sehnsucht" auf die Bühne zu bringen. Die Bühne von Kaspar Zwimpfer zeigt eine triste Bleibe aus Wohnküche, Schlafraum und hinter einer Glaswand angedeutetem Badezimmer vor Industriekulisse. In diesem Ambiente entfaltet Carp ein psychologisches Kammerspiel um die drei Hauptfiguren des Stücks. Soundtrack mit O-Tönen aus dem Ruhrgebiet angereichert Das kleinbürgerliche Leben der gutmütigen Stella und ihres Gatten Stanley gerät durch den Besuch von Stellas Schwester Blanche aus den Fugen. Elisabeth Kopp zeichnet Blanche eindringlich als zunehmend dem Alkohol und einem Schönheits- und Reinheitswahn verfallende Frau. Manja Kuhl ist eine gute, gefühlsbetonte Stella. Björn Gabriel, dem es als Stanley eigentlich obliegt, als animalisch-derber Macho die Emotionen aufwallen zu lassen, ist zwar ein jugendlicher Prolo, als Bestie aber vergleichsweise zahm.

Für die besondere Atmosphäre sorgt in Oberhausen der Berliner Klangkünstler Jan Peter Sonntag mit einem zwischen Jazz und Rock changierenden, mit O-Tönen aus dem Ruhrgebiet angereicherten Soundtrack. Der schafft und verstärkt Stimmungen, bietet Raum zur Entfaltung nicht ausgesprochener Gefühle und entwickelt zudem einen ganz eigenen Sog. Deshalb hat diese Inszenierung auch für Jugendliche etwas zu bieten, die "Endstation Sehnsucht" schon in der Schule lesen (müssen).

  • Termine:10. und 31.10., 8.11., Karten: Tel. (0208) 857 81 84.
  • www.theater-oberhausen.de
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