Erholung, aber langsam - Wie die Gastro-Branche sich aufrappelt

Coronavirus

Es war ein Crash, wie ihn die meisten Branchen noch nicht erlebt haben: Von einem Tag auf den anderen blieb alles zu. In der Gastronomie geht es langsam aufwärts - aber Normalität ist noch nicht in Sicht.

Düsseldorf

18.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leah Strube, Mitinhaberin des Cafe Sehnsucht in Köln Ehrenfeld

Leah Strube, Mitinhaberin des Cafe Sehnsucht in Köln Ehrenfeld. © picture alliance/dpa

Auch in der Krise muss der Mensch sich ernähren. Doch während in anderen Zeiten viele gern mal zum Essen ausgehen oder sich zum Kaffee verabreden, zwang Corona alle zurück in die eigene Küche. Für Gastronomen wie die Kölner Café-Inhaberin Leah Strube eine Katastrophe.

„Für uns brach alles auf einmal weg“, erzählt Strube, die das Café Sehnsucht in Köln-Ehrenfeld mit ihrem Freund und Bruder zusammen betreibt. Um die Covid-19-Pandemie möglichst schnell und effektiv einzudämmen, waren Mitte März so ziemlich alle Orte geschlossen worden, an denen Menschen aufeinander treffen.

Restaurants, Cafés und Kneipen blieben rund zwei Monate geschlossen - mit massiven Auswirkungen: Die Umsätze im NRW-Gastgewerbe verringerten sich gegenüber dem Vorjahr um fast 71 Prozent, wie das Statistische Landesamt IT.NRW am Donnerstag mitteilte.

Wenige Aktionen halfen der Branche wirklich weiter

Besonders hart traf es die Gastronomie, die vom Ausschank geprägt ist, etwa Kneipen und Bars - dort gingen die Umsätze um rund 78 Prozent zurück. Die Zahl der Menschen, die in der Branche tätig waren, war im April um 22,3 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Auch Strube und ihre Kollegen mussten etliche studentische Aushilfen entlassen und andere Kollegen in Kurzarbeit schicken. Manche Betreiber boten Take Away an oder verwandelten ihre Läden in Kioske oder Bäckereien. Andere versuchten, sich mit Gutscheinverkäufen oder Soli-Aktionen über Wasser zu halten. Tropfen auf den heißen Stein.

Als am 11. Mai große Teile der Gastronomen wieder unter strengen Auflagen den Betrieb aufnehmen durften, öffnete Strube die Türen ihres frisch renovierten Ladens. Für ihre nicht einmal zwei Jahre alte Tochter hatte sie extra einen Babysitter organisiert, weil Kita-Betreuung weiterhin keine Option war. Mit auseinander gerückten Tischen, frisch einlaminierten Karten und Hinweisschildern ausgestattet wartete sie vorfreudig auf die ersten Gäste - jedoch fast vergebens.

Umsätze liegen bei rund einem Drittel unter Normalniveau

„Da kam kaum einer in den Laden rein. Die Leute hatten echt noch Angst“, erzählt Strube. Der Umsatz habe am ersten Tag kaum die Kosten des Babysitters übertroffen. „Seit Juni läuft es Gott sei dank besser“, sagt die Gastronomin. Die Umsätze seien wieder etwas gestiegen, lägen aber weiterhin bei rund einem Drittel unter Normalniveau.

Das liegt vor allem daran, dass die Tische weiter auseinander stehen müssen und damit weniger Gäste in die Räume passen. Auch Hygienevorschriften und generelle Zurückhaltung machen sich bemerkbar. Einer Umfrage des Gaststättenverbandes Dehoga NRW zufolge geben weiterhin fast 90 Prozent der befragten Betriebe an, noch längst nicht wieder wirtschaftlich arbeiten zu können. „Die Herausforderungen sind nicht kleiner geworden“, sagt ein Sprecher.

Für die mittlerweile wieder gut besuchten Wochenenden im Café Sehnsucht hat Strube vor ein paar Tagen eine ganze Reihe ihrer alten Aushilfen angerufen. „Die ganzen Studenten haben ja zwischendurch gar nichts verdient.“ Bis sich in der Branche wieder normal verdienen lässt, dürfte es noch dauern.

dpa

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