Essen setzt den Rotstift an: Beraterunternehmen soll Theateretat auf Einsparungen durchforsten

ESSEN Kaum haben die maßgebenden Ratsfraktionen der schwarzgrünen Koalition und der SPD Garantieerklärungen zum Erhalt des Essener Schauspiels abgegeben, kracht es im gesamten Gebälk der Theater und Philharmonie Essen GmbH (TuP). Just 2010 sieht sich Essen gezwungen, bei den eigenen Theaterbetrieben den Rotstift anzusetzen.

von Von Bernd Aulich

, 03.03.2009, 21:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Essen setzt den Rotstift an: Beraterunternehmen soll Theateretat auf Einsparungen durchforsten

Schauspiel-Intendant Anselm Weber wechselt 2010 nach Bochum.

Das könnte nach Schauspiel-Intendant Anselm Weber, der 2010 ans Schauspielhaus Bochum wechselt, auch den höchst erfolgreichen Aalto-Intendanten Stefan Soltesz vollends vergraulen. Soltesz unterstützt "ausdrücklich" den heutigen Protestmarsch durch die Innenstadt zum Rathaus.

Zwar bedarf es dieser Demonstration der TuP-Beschäftigten gar nicht, damit der Essener Rat eigens 3,4 Mio. Euro als zusätzlichen Verlustausgleich bereitstellt. Aber schon jetzt steht fest: Die Theater müssen drastische Einschnitte verkraften.Stadt schließt Kompensation aus

Ohnehin ist fraglich, ob Essen die nach offizieller Lesart vor allem durch "unerwartet hohe Tarifsteigerungen" fällige Finanzspritze von 3,4 Mio. Euro auszahlen darf. Die Bezirksregierung hat es der Stadt untersagt, falls dieser Betrag nicht anderswo im Kulturetat eingespart wird. Eine solche Kompensation schließt die Stadt indes aus. Und so kommt es zu einer paradoxen Situation. Die Stadt will die Finanzspritze überplanmäßig finanzieren. Aber die Bezirksregierung zieht nicht mit. Und das Land ist, wie der TuP-Betriebsratsvorsitzende Laraki lakonisch anmerkt, nur bereit, als "Exzellenzförderung" 300.000 Euro draufzulegen, wenn die Stadt Essen ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber Theater und Philharmonie nachkommt.Kosten sollen deutlich gesenkt werden

Als Befreiungsschlag gedacht ist der Vertrag mit einem namhaften Beratungsunternehmen, den der Essener Rat am Mittwoch besiegeln soll. Die Berater sollen die Theateretats nicht nur auf "deutliche Kostensenkungen" hin durchforsten, sondern auch die Kooperation mit anderen Theatern prüfen. 238.000 Euro sich die Kulturstadt Essen den guten Rat kosten.

Beschlossene Sache ist auch eine Erhöhung der ohnehin hohen Eintrittspreise der Philharmonie, eine "deutliche Reduzierung" der Konzerte in der kommenden Saison und eine stärkere kommerzielle Vermarktung des Konzertsaals.