Experte fordert stärkere Corona-Kontrollen: „Das ist nicht der Lockdown, den wir brauchen“

Coronavirus

Der Corona-Experte Professor Tobias Welte aus Hannover vermisst bei vielen Menschen die Bereitschaft, sich an die strengen Auflagen zu halten. Für ihn kann das nur eine Konsequenz haben.

Hannover

24.12.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Laut dem Lungenexperten Tobias Welte sollen Polizei und Ordnungsamt die Einhaltung der Maskenpflicht strenger überwachen.

Laut dem Lungenexperten Tobias Welte sollen Polizei und Ordnungsamt die Einhaltung der Maskenpflicht strenger überwachen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Eine stärkere Überwachung der Abstandsregeln durch Polizei und Ordnungsamt fordert der Lungenexperte Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Bei den Bürgern gibt es derzeit nicht die hohe Bereitschaft, die Regeln zu akzeptieren, wie sie noch im Frühjahr vorhanden war“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ).

Die Menschen müssten viel stärker das Gefühl bekommen, dass die Einhaltung der Regeln überwacht werden, das fehle derzeit jedoch. Seine Folgerung: „Die Regeln müssen wesentlich besser kontrolliert werden.“ Eine Verschärfung der Auflagen hält er dagegen nicht für nötig.

Verständnis für junge Menschen

Der Zeitung nannte Welte auch ein Beispiel, das er selbst erlebt habe. Am Maschsee in Hannover seien am vergangenen Wochenende Menschen in dichten Trauben um einen Crêpes-Stand gestanden, die Abstandsregeln dabei nicht eingehalten worden. „Das ist nicht der Lockdown, den wir brauchen“, so der Corona-Experte.

Er könne sogar ein wenig nachvollziehen, dass junge Leute Schwierigkeiten hätten, die Regeln über solch einen langen Zeitraum und so streng durchzuhalten. „Den Jüngeren passiert meist auch nicht viel“, sagte Welte der HAZ. Deshalb fehle vielen die Einsicht für die Gefahr. Es gehe aber um den Schutz der Älteren.

Experte rechnet mit Lockdown über 10. Januar hinaus

Der Lungenexperte rechnet zudem damit, dass der Lockdown wegen der Corona-Pandemie über den 10. Januar hinaus bestehen bleiben wird. Anders seien die Infektionszahlen nicht unter Kontrolle zu bringen. Auch die Impfungen würden daran zunächst nichts ändern: Es werde mindestens bis zum Sommer dauern, bis eine Mehrheit der Menschen geimpft sei.

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