Faber ist einer der Geheimtipps bei Juicy Beats

Schweizer Singer-Songwriter

Er ist einer der Geheimtipps im Programm von "Juicy Beats" 22: Der Schweizer Singer/Songwriter Faber spielt bereits am Samstagnachmittag auf Dortmunds größtem Musik-Festival - weit vor den Auftritten der Headliner Trailerpark, Alle Farben und Co. Dabei lohnen seine Punk-Chansons den frühen Besuch, findet unser Autor.

DORTMUND

, 26.07.2017, 11:57 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Singer-Songwriter Faber aus Zürich, mit richtigem Namen Julian Pollina, spielt am Samstagnachmittag bei Juicy Beats.

Der Singer-Songwriter Faber aus Zürich, mit richtigem Namen Julian Pollina, spielt am Samstagnachmittag bei Juicy Beats.

Unter den hunderten Künstlern auf dem Juicy-Beats-Festival gibt es immer diese Acts, die im Frühjahr klein gebucht wurden und im Sommer plötzlich ganz groß auf dem Festival ankommen. In diesem Jahr trifft das auf Faber zu, einen 24-jährigen Schweizer Singer/Songwriter der ungemein anderen Art.

Die Musikkritik und das Feuilleton feiern sein Album „Sei ein Faber im Wind“ für seinen musikalischen Witz und seine sympathische Provokation. Vor seinem Auftritt bei Juicy Beats (Samstag, 29. 7., 15.15 Uhr Liveurope-Bühne am Sandstrand) haben wir bei Julian Pollina alias Faber angerufen, um mit ihm darüber zu sprechen, was gerade in seinem Musikerleben passiert.

Eine Stimme wie Balou der Bär nach ein paar durchzechten Nächten

Wer wird da antworten am anderen Ende der Leitung? Das frage ich mich, als ich die Schweizer Nummer wähle. Die Musik ist geprägt von seiner rauen Stimme, die manchmal klingt, als habe Balu, der Bär aus dem Dschungelbuch, seinem mittlerweile erwachsenen Freund Mogli einen Besuch im Menschendorf abgestattet und dort ein paar Tage durchgefeiert.

Geprägt auch von in einem Klang zwischen Schweizerdeutsch und süddeutschem Dialekt herausgedrückten Worten, die nicht selten das beschreiben, was man gemeinhin als „schmutzig“ bezeichnet. Ab und an das F-Wort, gerne weitere sexuelle Details, gerne Geschichten von Zweisamkeit. Dazwischen aber auch viel Verzweiflung an Rassismus, Dummheit und Egomanie.

Video: So klingt Faber

 

Wird mir ein trotziger junger Mann antworten, mit viel Lust auf Streit und wenig Lust auf Interviews – so ein Typ wie der gleichnamige Dortmunder Tatort-Kommissar? Oder ein feiergeplagter müder Shooting-Star auf Festival-Tour? Weder noch. Es antwortet ein freundlicher, reflektierter junger Mann, der weiß, was er da tut und sich über das Interesse daran freut.

Faber: „Ich sehe das als großes Privileg, das mein Album so gut angelaufen ist. Ich war schon immer selbstbewusst, dass ich die Musik als Beruf machen kann und es ein gewisses Interesse daran geben könne. Aber damit konnte ich nicht rechnen, als wir das Album gemacht haben.“

"Es gibt eben nicht nur Superpop"

"Sei ein Faber im Wind“ überhaupt aufzunehmen mit seiner festen Band habe schon einen großen Traum erfüllt. Mit zwei EPs (Kurzalben mit maximal sechs Stücken) hat er sich von seiner Geburtsstadt Zürich aus eine Fanbasis erspielt. Das neue Album erscheint bei „Universal Music“ – ein großer Schritt. Der aus Sicht von Faber auch mit neuen Möglichkeiten für deutschsprachige Musik zu tun hat, die sich heutzutage bieten.

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Faber: „Es gibt eben nicht nur Superpop. Sondern eben auch einen Markt für Bands wie Wanda, Bilderbuch oder Annenmaykantereit oder auch die ältere Garde mit Tocotronic und Element of Crime. Das war vor zehn Jahren noch nicht möglich.“

Balkan-Harmonien, Jazz und Chansons

Faber mischt dieser Szene eine neue Klangfarbe bei. Seine Lieder verlieren sich in südosteuropäischen Balkan-Harmonien zu treibender Rhythmik, haben keine Angst vor Jazz-Elementen, aber sie tragen eben auch eine traurige Chanson-Seele in sich. Faber kommt aus dem multinationalen Zürich, sein Vater ist Pippo Pollina, ein bekannter italienischer Sänger. Musik war immer ein Teil seines Lebens. Jetzt gerade ist sie alles.

Faber: „Balkan-Musik gefällt mir, aber ich höre es jetzt nicht ständig. Ich glaube, dass es so klingt, liegt an den Bläsern und dem Einsatz von Trommeln. Wir haben kein richtiges Drumset, sondern nur verschiedene Percussion-Elemente.“

Wilde Nacht in Dortmund

Fabers Musik ist Straßenmusik. Das Album hat das Gefühl konserviert, das bei Live-Auftritten besonders spürbar ist. Im September 2016 Faber Gast beim Way-Back-When-Festival, spielte dort vor knapp 100 Leuten in der Pauluskirche. Nur er, begleitet von Posaune und Percussion.

Wer dabei war, erlebte eine wilde Stunde in der Pop-Kirche. Faber noch einen wilden Abend im Anschluss. „Die Erinnerungen daran darf ich nicht erzählen“, sagt er vor seinem zweiten Besuch in Dortmund. Diesmal kommt die komplette Band. Faber: „Das war im letzten Jahr noch anders, da waren wir aus Geld-Gründen meistens zu zweit unterwegs. Jetzt hat es ein richtiges Bandfeeling.“

Gerd Rubenbauer würde ihn "frech" nennen

Und die Texte? Das alte Adjektiv „frech“ scheint angebracht, mit Betonung auf dem kräftigen „r“, wie sie der 90er-Jahre-Sportreporter Gerd Rubenbauer gewählt hat, wenn ein Fußballer etwas Überraschendes gemacht hat. Alles bewusste Provokation im besten Rock’n’Roll-Sinne?

Faber: „Ich singe über das, was Spaß macht. Und ich texte das meiste aus der Freude an der Sprache. Ich führe schon immer wieder mal Diskussionen über meine Texte. Aber man kann gewisse Punkte eben unterschiedlich sehen. Wenn ich singe ,Es ist so schön, dass es mich gibt’, dann finde ich das lustig – und man kann es ja auch als Kritik an der Ich-Bezogenheit sehen. Es ist mir lieber, wenn es jemand scheiße findet, als wenn er es langweilig findet.“

Als Schweizer singt Faber hochdeutsch. Das hat es ihm anfangs schwierig gemacht in seiner Heimat. Faber: „Wenn du das als Alt-Schweizer machst, giltst du als Verräter. Das ändert sich ein wenig, wenn du Erfolg hast. Generell sind die Schweizer ganz tief drin in diesem Ding, dass nur Leistung zählt. Gerade Zürich ist da hart. Du verschwindest, wenn du nichts hast.“

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