"Fack ju Göhte" will nicht politisch korrekt sein

Im Kino

"Fack ju Göhte" erzählt von bildungsfernen Schülern und einem Ex-Knacki, der zum Lehrer mutiert. Aber so ganz hat er sich von seiner kriminellen Vergangenheit noch nicht verabschiedet.

von Von Klaus-Peter Heß

, 07.11.2013, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aushilfslehrer Zeki Müller (Elyas M'Barek) greift auch mal zum Farb-Gewehr.

Aushilfslehrer Zeki Müller (Elyas M'Barek) greift auch mal zum Farb-Gewehr.

Eine völlig frustrierte Lehrerin gibt auf und springt aus dem Fenster ihres Klassenzimmers. Auf dem Asphalt das leicht angedötschte Gesicht von Uschi Glas, die Ende der 60er Jahre in so genannten „Paukerfilmen“ mitgespielt hat. Als Pennälerin. Außer dem Generationenwechsel aber hat sich in diesem Genre nicht viel verändert. Noch nicht einmal das Niveau.Problemklasse 10b "Fack ju Göhte" will bei den Schülern punkten, obwohl im Mittelpunkt ein tougher Lehrer steht: Zeki Müller (Elyas M‘Barek). Dabei ist dieser Typ so bildungsfern wie die meisten seiner Schüler. Müller ist ein Ex-Knacki, der nur deshalb an der Schule angeheuert hat, weil unter der neu gebauten Turnhalle die Beute seines vor anderthalb Jahren verübten Banküberfalls verbuddelt ist. Nach einem abenteuerlich hirnrissigen Einstellungsverfahren (mit Katja Riemann als Rektorin) spielt er tagsüber in der renitenten Problemklasse 10b Gesamtschul-Unterricht, nachts gräbt er sich an den Geldsack heran. Und nebenbei bringt er die überkorrekte und überfürsorgliche Referendarin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) auf Überlebenskurs. Ein bisschen Liebe kommt auch noch ins Spiel. So einfach geht Drehbuch.Klischees und Geschmacklosigkeiten Dazwischen lässt Autor und Regisseur Bora Dagtekin kein Klischee und keine Geschmacklosigkeit aus, um Lacher zu sammeln. Dazu gesellt sich eine gehörige Prise Sexismus, und der Machismo feiert fröhliche Urständ. Schmutzkübel landen auf Köpfen, Kreide wird mit Klebstoff präpariert, Stühle pappen an Hintern fest, Nerds werden von Kaugummi kauenden Kampfzicken niedergemacht, eine dicke Schülerin bricht durch Turnmatte und Turnhallenboden. Aushilfslehrer Zeki schießt seine renitenten Schüler mit dem Paintball-Gewehr zurück ins Klassenzimmer, er droht ihnen Schläge an – und teilt auch welche aus. Womit er wohl eher die politisch unkorrekte Fantasie mancher Pädagogen anspricht als die der lernunwilligen Klassen-Klientel. So geht Unterricht 2013. Lehrer seht die Signale, auf zum letzten Gefecht!Zügig serviert Immerhin wird das Ganze recht zügig serviert. Bis zur Volte. Denn ausgerechnet der Bursche, der Goethe nicht von Göhte unterscheiden kann, erkennt den Wert der Bildung. Dafür will er sogar sein schmutziges Geld opfern. Und die Liebe von Lisi zurückgewinnen. Da geht der Film, der lange Zeit vorgibt, politisch unkorrekt zu sein, moralisch doch noch in die Knie.