Familie Flöz bezaubert ohne Worte

30. Kölner Sommerfestival

Mit einer Hommage an das Theater ist das 30. Kölner Sommerfestival am Samstag gestartet: Das Theaterkollektiv Familie Flöz kehrte nach 25 Jahren in die Kölner Philharmonie zurück und begeisterte das Publikum mit "Teatro Delusio" in zwei Vorstellungen am Wochenende.

KÖLN

23.07.2017, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bühnenarbeiter und Ballerina werden ein Liebespaar.

Bühnenarbeiter und Ballerina werden ein Liebespaar.

Die grotesken Masken von Hajo Schüler und das Spiel ohne Worte sind das Markenzeichen der im Ruhrgebiet gegründeten, mittlerweile in Berlin lebenden Theatergruppe. Durch ihr stimmiges Körperspiel verstehen es die Performer meisterlich, den Zuschauern die Illusion zu vermitteln, die Masken könnten Gefühle vermitteln. Darüber kann man nur staunen - und immer wieder Szenenapplaus spenden.

Drei Performer spielen an die 30 Charaktere

Diesmal hat Regisseur und Bühnenbildner Michael Vogel das Publikum mit einer ungewohnten Perspektive beschenkt: Denn "Teatro Delusio" spielt hinter den Kulissen, zeigt die Dramen und Glücksmomente, die sich hinter der Bühne während der Vorstellungen von Oper, Ballett, Musical und Schauspiel abspielen. Dazu braucht Familie Flöz nur drei Schauspieler und schnelle Kostümwechsel, um an die 30 Charaktere lebendig werden zu lassen.

Auf der SchattenseiteDas Leben dreier Bühnenarbeiter auf der Schattenseite der Scheinwerfer verbindet sich mit denen, die im Licht stehen, auf wunderbare Weise. Und wie auf der Bühne spiegelt sich auch Backstage die komplette Gefühlsskala wieder - von humorvoll-heiteren Emotionen bis hin zu tragischen Momenten.

Eitle Dirigenten und Operndiven

Mit dem Kabelgewirr sorgen die drei Techniker für Kurzschlüsse - amüsanter Slapstick - und ein mächtiges Theatergewitter zum Auftakt. Über Lautsprecher ist das Einstimmen eines Orchesters zu hören, während zahlreiche Musiker in schwarzen Anzügen, durch ihr Instrument identifizierbar, über die Hinterbühne huschen. Da ist der Triangel-Spieler, der seinen Platz nicht finden kann, da ist der uralte Geiger, der einen Stuhl hinter den Kulissen mit seinem Arbeitsplatz im Graben verwechselt. Auch der Dirigent im Frack fehlt nicht, verwuschelt sich vor dem Auftritt seine Mähne noch einmal mit dem Dirigierstab.

Operndiven haben ihre dramatischen Auftritte, eine verprügelt einen Bühnenarbeiter mit ihrer Baby-Requisite, und wenn auf der Vorderbühne gefochten wird, gibt es auch einen Degenkampf auf der Rückseite.

Flink dreht sich das Personal-Karussell

Ein Bühnenarbeiter verliebt sich in die zu spät kommende Ballerina, der er das Spitzenkrönchen auf dem Kopf festtackert. Das Corps der Ballet, alle in klassisch-weißen Tutus, werden vom Ballettmeister in Form gebracht - inklusiver sexueller Belästigung, nur eine wagt es, ihr Knie in die Weichteile des Maestros zu stoßen.

Schnell dreht sich das Personal-Karussell in dieser überaus unterhaltsamen Liebeserklärung an das Theater. Die geniale Verbindung von Maskenspiel und Schauspielkunst feierte das Publikum mit viel Applaus.

 

Termine: "Shadowland 2" vom 25.7. bis zum 6.8.2017; Karten: Tel. (0221)280280 und im Internet unter: