Familie kämpft gegen den großen Kummer

Im Kino

Die Familie laboriert an einem schmerzlichen Verlust. "Louder Than Bombs" ist ein Melodram, ein sensibles Generationen-Porträt. Ein Geflecht aus Erinnerung, Träumen, Reflexionen und Alltagsmomenten eines Lebens, das irgendwie gemeistert werden muss, sei der Kummer noch so groß.

DORTMUND

, 06.01.2016, 17:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Isabelle Huppert als Mutter wird nur in Rückblenden wieder lebendig.

Isabelle Huppert als Mutter wird nur in Rückblenden wieder lebendig.

 "Du wirst doch nicht an der Schule Amok laufen?" Jonah (Jesse Eisenberg) macht sich Sorgen um seinen Bruder (Devin Druid). Seit dem Tod der Mutter (Isabelle Huppert) benimmt der sich seltsam, taucht ab in Videospiele, antwortet barsch und einsilbig auf die Fragen des Vaters (Gabriel Byrne). 

Versuch über das Leben

Der Norweger Joachim Trier meditiert in seiner dritten Regiearbeit über existenzielle Themen: Trauer, Einsamkeit, Sprachlosigkeit. Sein Film spielt mindestens so sehr in der Innenwelt der Figuren wie in der Realität, in der sie sich bewegen. "Louder Than Bombs" ist ein Versuch über das Leben selbst, kein Plastikkonstrukt nach Genre-Regeln.

"Arthouse"-Kino reinsten Wassers, schwerblütig und melancholisch im Naturell. Spannung erwächst aus der Frage, wohin die Familienkrise steuert. In eine Katharsis, ein Fanal der Verzweiflung? Das jüngere Problemkind hätte durchaus das Zeug zum Amokschützen. An der Schule ist der Junge ein Außenseiter, der eine Lehrerin anspuckt, als er merkt, dass sie eine Affäre mit seinem Vater hat.

Es gibt Gesprächsbedarf

Oder hält der Kitt aus Liebe und Zuneigung, die Bruder und Vater dem Jüngsten entgegenbringen? Es gibt Gesprächsbedarf. Allen liegt etwas auf der Seele, jeder könnte eine Beichte ablegen, sogar die tote Mutter, die in Rückblenden lebendig wird. Sie war eine preisgekrönte Kriegsfotografin, rastlos auf der Jagd nach Bildern, die die Welt wach rütteln. Und sie hatte ein Techtelmechtel mit einem Kollegen.

Wenn die Mutter aus dem Off über die Ethik ihres Berufes nachdenkt, droht dem Film inhaltliche Überfrachtung. Bei aller Komplexität kriegt Joachim Trier dennoch die Kurve zu einer runden, stimmigen Geschichte - auch das Verdienst der Darsteller, die das Dilemma ihrer Figuren überzeugend auf die Leinwand bringen. Menschen-Kino, leise, aber intensiv. 

 

 

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