Familiensaga erdrückt von zu vielen Symbolen

"The Dust Of Time"

"The Dust Of Time" ist nichts weniger als der Versuch eines Jahrhundert-Panoramas. Zeitläufe und Politik verwoben mit einer Familien-Odyssee. Stalins Tod, Treffen und Trennung zweier Liebenden, Gulag in Sibirien, Wiedersehen in Amerika, Begegnungen an Silvester 1999 in Berlin.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 27.10.2009, 11:24 Uhr / Lesedauer: 1 min
Willem Dafoe als Filmemacher in "The Dust of Time".

Willem Dafoe als Filmemacher in "The Dust of Time".

Angelopoulos lässt seine großen Themen anklingen: Ruin des Sozialismus, Exil, Zerbrechlichkeit der Familie, Einsamkeit. Vielen Sequenzen bürdet er schweren Symbolismus auf, jeder Moment hat ein Schlüsselmoment zu sein. Von poetisch zu gespreizt ist es da nur ein kleiner Schritt. Schwerblütig walzt die implantierte Familiensaga daher, doch die Figuren lassen uns kalt. Sie schwimmen sich nicht frei, hängen immer an der Kette ihrer Bedeutsamkeit, um den Hals ein Gewicht von Tragik. Wie sehr Film und Regisseur der Vergangenheit verhaftet sind, zeigt sich in der gekünstelten Abbildung heutiger Milieus. Prügelei unter Jugendlichen. Ein Messer, ein Toter, plötzlich rollen Motorräder heran. Ein plakativer, klischeehafter Schnappschuss: So geht’s zu unter verrohter Großstadtjugend. Überfrachtetes, spannungsfreies, tiefgangschwitzendes Kunstkino.

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