Fans wieder ins Stadion? Der politische Widerstand bröckelt

Bundesliga

Am Wochenende startet die Bundesliga in die neue Saison. Bereits am heutigen Dienstag beraten die Bundesländer darüber, ob sie probeweise wieder regelmäßig Fans ins Stadion lassen.

Berlin

15.09.2020, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Markus Söder (CSU) spricht sich für die probeweise Rückkehr von Fußballfans in die Stadion der Bundesliga aus.

Markus Söder (CSU) spricht sich für die probeweise Rückkehr von Fußballfans in die Stadion der Bundesliga aus. © picture alliance/dpa

Gehören Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga schon bald der Vergangenheit an? Selbst der bisher größte Kritiker von Zuschauern in den Stadien scheint einzulenken: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht inzwischen „eine Chance“ auf die Rückkehr von Fans. Womöglich fällt bereits am heutigen Dienstag eine Entscheidung.

Man wolle in dieser Woche versuchen, einen Kompromiss zu finden für einen Probebetrieb mit Zuschauern, verkündete Söder am Montag nach einer Kabinettssitzung in München. Dies könne möglicherweise bereits zum Start der Bundesliga am kommenden Wochenende erfolgen. Schon am Dienstagnachmittag wollen die Chefs der Staatskanzleien der Länder über eine bundeseinheitliche Lösung beraten.

Ursprünglich war eine Entscheidung erst für Ende Oktober geplant, doch der Druck wächst. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, eine eingesetzte Arbeitsgruppe habe über eine Auslastungsgrenze von bis zu 40 Prozent der Stadionkapazität gesprochen. Auch fixe Obergrenzen seien diskutiert worden.

Von Einheitlichkeit ist bisher nichts zu sehen

Vor allem Nordrhein-Westfalen gilt mit seinen insgesamt neun Erst- und Zweitligavereinen als Treiber hinter einer raschen Einigung. „Sportveranstaltungen, egal, ob in Hallen oder Stadien, leben in jeder Hinsicht von den Zuschauern. Und dies gilt ebenso für Vereine und Verbände“, sagte eine Sprecherin der NRW-Landesregierung auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass bundesweit einheitliche Regeln für den Umgang mit Zuschauern bei Bundesliga-Spielen gebraucht würden. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte aus Gründen des fairen Wettbewerbs Einheitlichkeit angemahnt. Im „Ländle“ gibt es sechs Vereine in der 1. und 2. Bundesliga.

Von Einheitlichkeit war bisher wenig zu sehen: Zum Bundesliga-Auftakt werden in vier von neun Stadien mehrere Tausend Fans erwartet. Tendenz steigend. Die Behörden in Leipzig (8500 Besucher), Frankfurt (6500), Berlin (5000) und Bremen (8500) segneten die Hygienekonzepte der jeweiligen Klubs bereits ab. Und auch beim DFB-Pokal am Wochenende waren vereinzelt schon Zuschauer in den Stadien. Bei Hansa Rostock gehörte sogar Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu den 7500 Besuchern. Sie lobte einen „großen Schritt in Corona-Zeiten“. Allerdings saßen die Zuschauer teilweise dicht an dicht, Mund-Nasen-Masken waren nur wenige zu sehen, wie Videoaufnahmen dokumentieren.

Die Grünen fordern eine flexible Lösung

Und so gibt es durchaus auch Zweifler an einer Rückkehr der Fans zum jetzigen Zeitpunkt. „Aufgrund der wieder steigenden Infektionszahlen bin ich zurückhaltend, was einen möglichen Probebetrieb mit Zuschauern bei Bundesliga-Spielen im September und Oktober angeht“, erklärte Monika Lazar, sportpolitische Sprecherin der Grünen, dem RND. „Wenn man das austestet, sollte es nur auf Regionen mit geringen Infektionszahlen beschränkt sein.“

Eine bundeseinheitliche Regelung müsse flexibel genug sein, um dem lokalen Infektionsgeschehen Rechnung zu tragen, fordert die Politikerin. Entscheidend sei auch, die Regeln den Fans gegenüber gut zu kommunizieren – was eine Einbindung verschiedener Fanprojekte unverzichtbar mache.

Die Entscheidung zur Fußball-Bundesliga dürfte auch in der restlichen Sportwelt genau verfolgt werden. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag: „Ein entsprechender Beschluss könnte auch Grundlage für andere Sportarten sein, die noch viel mehr unter der Corona-Pandemie zu leiden haben als der Fußball.“

RND

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