Fazil Says neue Komposition „Gezi Park“

Konzerthaus Dortmund

Wie Fazil Say Mozart spielt, mag man oder man schluckt es. Dabei hält sich der türkische Pianist erfahrungsgemäß noch zurück mit Stampfen, Mitsingen, mit Handbewegungen, Improvisieren und Beethovenscher Wucht, wenn er - wie am Freitag im Konzerthaus Dortmund - nach Noten spielt.

DORTMUND

, 21.09.2014, 15:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Fazil Say

Fazil Say

 

Aber lieben muss man den Komponisten Fazil Say. Und dem gehörte der zweite, spannendere Teil des Abends. Nach der "Istanbul-Sinfonie", die 2010 in Dortmund uraufgeführt wurde, hat der 44-Jährige ein weiteres Musikgemälde aus seiner Heimat Istanbul geschaffen: den dreiteiligen "Gezi Park", der mit einem Konzert für zwei Klaviere und Orchester, einer Klaviersonate und Ballade für Sopran und Streichorchester, die Aufstände und den brutalen Kampf des türkischen Regimes gegen die Demonstranten im Gezi Park reflektiert.

In Dortmund spielte Fazil Say die Sonate - eine fast sinfonische, rhythmische Musik, die an Filmmusik erinnert. Widerstand vertont Say mit aggressiven Klängen, die Trauer über ein 14-jähriges Opfer der Gewalt mit schmerzvollen Dissonanzen. Spannende, hochemotionale, atmosphärisch dichte und am Schluss rasant virtuose, großartige Musik ist das.Vier Balladen

Vier Balladen stellte Fazil Say an den Schluss des Programms. Die bekannteste war die älteste: "Black Earth" von 1997 mit den mit der Hand im Flügel abgedämpften Passagen. Feinfühlige, sehr poetische Werke sind aber auch die drei anderen Balladen.

Und während Musikwissenschaftler seit 150 Jahren über das Verhältnis von Nietzsche zu Wagner diskutieren, hat Fazil Say eine musikalische Antwort gefunden.

In seinem Porträt "Nietzsche und Wagner" ist der Philosoph der Rebell, der dem Pianisten Fazil Say näher steht, und Wagner ein feinfühliger Geist, der mit dem Komponisten Fazil Say seelenverwandt ist.

 

Zwölf seiner Klavierwerke hat Fazil Say auf seiner neuen CD eingespielt, darunter drei der Balladen (auch "Black Earth") und "Nietzsche und Wagner". Naive Records, CD 994332.

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